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Peter Frei

Mit der "Halberstadt" in der Mathias-Thesen-Werft

Oder kurz: "Werftliegezeit in Wismar"


Der Bericht über euer Jahrestreffen 2011 (vgl. Von vier Treffen 2011) war wieder sehr interessant, vor allem weil Wismar (vgl. Seehafen Wismar) mir selbst eine sehr gut bekannte Hafenstadt ist. So manche Story erlebten wir während der Werftliegezeit im Seemannsclub oder bei "Muttchen"! Sehr interessant sind auch eure Aufnahmen aus der Werft, dagegen war ja die alte MTW eine Miniausgabe, und trotzdem muss man staunen, welch eine Unmenge von Schiffsneubauten diese Werft verlassen hatte.

Am 16.2.1971 stieg ich auf das MS "Halberstadt" (vgl. Typ-IV), das mir als Lückenfüller dienen sollte, bis ich ein geeignetes Schiff für Kurzreisen fand. Der I. Ing. machte mir den Vorschlag, dass ich mit der Storekeeper-Heuer als Assi die Werftzeit in der MTW in Wismar und die anschließende Kurzreise nach Udevalla (Schweden) mitmachen könne.

Das bedeutete Selbstverpflegung, da ja üblicherweise während der Werftzeiten alles auf Sparflamme lief. Gegessen wurde mittags in der Werftkantine, und abends, sofern ich keine Wache hatte, ging es ab zum Abendbrot in die City. Das endete manchmal noch mit einem Besuch bei "Muttchen" in der Milchbar zu einem Drink mit einem Wässerchen oder einem "Weißen Traum" in der bekannten Mixtur von je einem doppelten Wodka, Zitronenlikör und Weinbrand mit Lemon oder Vanilleeis und Milch. Ja, nach zwei Gläsern von diesem Gesöff hatte man schon sechs Doppelte intus! Da fehlte so manch einem schon die Orientierung, und nach jedem Glas schmeckte das Zeug besser, so dass es schon mal passierte, dass einer abtransportiert werden musste.

Ein weiteres Highlight war der gepflegte Ausgang mit Tanz im "Schuppen". Dort trafen sich Handelsflotte, Volksmarine und Fischerei zu einem "gepflegten Plausch". Zu vorgerückter Stunde wurden dann die letzten vorhandenen Schönheiten "ausgehandelt".

Der Werftbetrieb war ziemlich eintönig, jedoch dienstlich hatte ich immer mal die Möglichkeit, in die Produktionsabteilungen zu kommen, was mich als Techniker sehr interessierte. Auch bei manchem Stapellauf war ich mit dabei.

Die MTW besaß eine ähnliche Kabelkrananlage wie die Warnowwerft in Warnemünde. Für die damaligen Verhältnisse in der Werft wurden wirklich viele Neubauten hergestellt, um z.B. nur mal die uns bekanntesten zu nennen:
  • der erste Motorfrachter "Stralsund" 1954 (Typ-I)
  • das Passagierschiff GTMS Fritz Heckert 1959
  • 6 Passagierschiffe "Iwan Franko"-Klasse 1963-72
  • 6 Stückgutfrachter Typ AFRIKA 1968-71 ("Sonneberg", "Wittenberg" usw.)
  • 4 Massengutschiffe OBC-III 1978 ("Weimar", "Jena" usw.)
  • 3 RoRo-Schiffe RO-15 1982/83 ("Gleichberg" usw.)
  • 3 Massengutschiffe OBC-V 1986 ("Hennigsdorf", "Brandenburg" und "Riesa")
  • 5 Eisenbahngüterfährschiffe 1986-89 ("Mukran" usw., EGF-321)

Zu einer anderen Zeit erlebten wir im Seemannsclub eine ziemlich blutige Geschichte. Nachdem wir von einem langen Törn wieder zurückkamen, sahen wir uns genötigt, erstmal eine Flasche Sekt aufzumachen. Die Kellnerin brachte die Flasche und öffnete sie etwas unqualifiziert, so dass der Korken wie eine Rakete in den darüberhängenden Kronleuchter schoss. Dadurch löste sich ein Teil der Lampenschale und bohrte sich mit Karacho mit der Spitze in den Rücken eines Seemannes, so dass schnellstens der Rettungswagen gerufen werden musste, um in letzter Minute zu helfen.

Was war das für ein Leben im Wismarer Hafen und in der Stadt! Leider habe ich keine Aufnahmen von Wismar, ich weiß auch nicht warum.
   


Wir irgendwie auch (noch) nicht, helfen hier aber gerne mit zwei jüngeren Fotos aus dem Stadtzentrum aus:
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Wasserkunst und Alter Schwede in der Hansestadt Wismar
Fotos: ABa, HH, Pfingsten 2009

Herzlichen Dank an Peter für seine Erinnerungen an Wismar!


"Werftliegezeit in Wismar": Seeleute Rostock e.V., Nov. 2011

   

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  29.12.2014  
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