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Motortanker Typ LEUNA

Reeder & Manager: DSR Rostock | Heimathafen: Rostock

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MT "Leuna-I" - das erste Tankschiff der DSR einlaufend Warnemünde/Rostock
Gemälde/Sammlung/Repro: Marinemaler Olaf Rahardt, Rudolstadt/Thüringen, 2008
Am 30. September 1958 wurde von der Deutschen Seereederei Rostock der erste von fünf Motortankern der Serie LEUNA in Dienst gestellt.

Die Motortanker des Typs LEUNA waren konstruktionsbedingt zum Transport von flüssigem Gut wie Erdöl und Kraftstoff vorgesehen. Mit 24 Ladetanks verfügten diese Tanker über eine hohe Flexibilität. Sie konnten somit gleichzeitig zwei verschiedene Ladungsarten befördern. Die Tanker wurden vorrangig in der Tankschifffahrt vom Schwarzen Meer, von der östlichen Ostsee, vom Persischen Golf und von Südamerika nach Europa eingesetzt. Weitere Einsatzgebiete waren Versorgungsfahrten zu den Fischereischiffen im Nordmeer und Einsätze als Leichter Warnemünde Reede - Überseehafen sowie als Zubringer Göteborg - Rostock und nach Kuba.

Die maschinentechnische Ausrüstung war einfach und zuverlässig. Sie zeichnete sich durch eine leichte Handhabung und gute Reparaturfähigkeit aus.
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MT Typ LEUNA in Seitenansicht nach (4) | Repro: ABa, Hamburg, 2011
Die technischen Daten:
Schiffstyp Motortankschiff
Bauwerft Admiralitätswerft Leningrad
Baujahre 1958 bis 1962
Baunummern (Siehe Tabelle unten)
Schiffsklasse   A I (Eis) (Tanker)
Länge über alles 145,50 m
Länge zwischen den Loten 138,00 m
Größte Breite   19,20 m
Tiefgang     8,53 m
Tragfähigkeit 11.660 tdw
Vermessung   7.874 BRT
Hauptmotoren 2 stehende, kompressorlose, umsteuerbare Zweitakt-Dieselmotoren mit je 8 Zylindern, davon je 1x Rechts- und Linksausführung
Motorentyp (Hersteller) Russkij-Diesel
Leistung je 1.470 kW / zusammen 4.000 PS
Arbeitsweise Beide Hauptmotoren arbeiteten über 2 hydraulische Kupplungen und 1 Getriebe mit einem Übersetzungsverhältnis 1:2,912 gemeinsam auf eine Propellerwelle.
Dienstgeschwindigkeit 12 kn
Höchstgeschwindigkeit 13 kn
Aktionsweite 13.000 sm
Ladetanks/-räume 24 Tanks (8 längsschiffs x 3 querschiffs), gesamt 14.271 m³
  1 Trockenladeraum im Vorschiff, ... m³
Umschlageinrichtungen
  • 4 Ladeöldampfkolbenpumpen mit je 250 m³/h
    2 Bäume mit Lasttalje für 4 Mp zur Bedienung der Ladeschläuche, mittschiffs installiert
    2 Trommeldampfwinden je 2 Mp
  • 1 Portalpfostenpaar Achterkante Trockenladeraum
    2 Leichtgutladebäume je 3/5 t
    2 elektrische Ladewinden je 3 t Zugkraft
  • 1 Leichtgutladebaum 1,5 Mp (elektrisch) am Schornstein zur Bedienung des Maschinenschachtes
Besatzung 50 + 3 Personen
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Die LEUNA-I in ihrer ersten Erscheinungsform, 2007

Die LEUNA-I mit späterem DSR-Anstrich, 2008
beide Gemälde in Gouache 30x40 cm
Gemälde/Sammlung/Repro: Marinemaler Olaf Rahardt, Rudolstadt/Thüringen
Die Schiffe der Serie:
Schiffsname Registriernr. Bau-Nr. Rufzeichen
bis/ab 1980
I.D. A.D. Verbleibe, an
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LEUNA-I IMO 5207122 17 DHZO / Y5RO 30.09.1958 07.08.1981 Altimar Tanker Shipping Co., GRC
LEUNA-II IMO 5207134 k. A. DHZP / Y5RP 30.11.1958 1968 Umbau zur DESSAU
ZEITZ IMO 5398177 k. A. DCZA / - 30.07.1961 22.11.1968 van Ommeren, FRA
BÖHLEN IMO 5047455 ohne DCZB / - 16.10.1961 14.10.1976 Gesunken
SCHWEDT IMO 5315632 ohne DCZE / - 20.05.1962 23.10.1968 van Ommeren, FRA
Die ZEITZ und die SCHWEDT waren die Tanker "(1)" mit diesen Namen bei der DSR und hatten nach ihrer Zeit noch einen bzw. sogar zwei Namensfolger.
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MT LEUNA-II im DSR-Schiffstypenkatalog nach (4) | Repro: ABa, Hamburg, 2012
Der Motortanker war ein Einschrauben- und Eindeckschiff mit Back, Mittschiffsaufbauten und Poop. Er hatte einen "ausfallenden und im Unterwasserbereich abgeschrägten Vordersteven" und ein Kreuzerheck. Er besaß zwei Längsschotten. Der Maschinenraum lag im Achterschiff. Das Schiff war nach dem gemischten Längs- und Querspantensystem gebaut und voll verschweißt.
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MT BÖHLEN - das Unglücksschiff der Serie LEUNA, hier im DEUTFRACHT-Anstrich
Foto: DSR-Archiv/-Ansichtskarte 1973 | Repro: ABa, Hamburg, 2011
Besonderheiten:
  • "Gegenüber dem ursprünglichen Leningrader Entwurf, angeboten auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1957, wurde das Projekt auf deutschen Wunsch in den Linien wesentlich gefälliger ausgeführt und trug danach eindeutig die Handschrift deutscher Projekt-Ingenieure." (3), 2004
    Eine mit Vorsicht zu genießende Aussage, wie wir finden. Der DDR-deutsche Wunsch konnte bis dato kein Wissen vom Großtankschiffbau erlangen und sich wohl daher eher an die Bauten skandinavischer Werften anlehnen, deren Motortanker in den Folgejahren auch bevorzugt angekauft wurden.
  • Diese und alle weiteren großen Tankschiffe der DSR erhielten Namen von Orten mit Betrieben der Erdöl verarbeitenden bzw. chemischen Industrie.
  • Am 29.9.1960 war die LEUNA-II das erste DSR-Schiff auf Kuba, in Matanzas.
  • Kubas Versorgung mit Erdöl aus der Schwarzmeerregion wurde zur regulären Verbindung. Doch die Tanker dieser Größe waren dafür nicht rentabel, und die DSR begann 1960, größere Tanker anzukaufen.
  • 1967 Umbauplanungen zu Erz- bzw. Metallfrachtern, da diese Importe zugenommen hatten, jedoch letztendlich nur mit LEUNA-II realisiert.
  • Beim Umbau 1968 der LEUNA-II zur DESSAU wurde das vordere Brückenhaus abgehoben, an Land abgesetzt und dient(e) fortan als Clubhaus eines Segelvereins in Rijeka.
  • Gleichzeitig wurden zwei der fünf Tanker verkauft, SCHWEDT und ZEITZ.
  • BÖHLEN wurde 1969 "aufgelegt" und sollte 1970 auch an Phs. van Ommeren S.A., Dünkirchen (FRA), verkauft werden, was jedoch nicht zustande kam. Weiterer Einsatz als Leichtertanker zwischen Reede Warnemünde und Ölhafen Rostock.
  • Mathias Dietrich fremdlink.gif berichtet vom liebevoll gepflegten Wetterhahn am Schornstein der BÖHLEN, der auf dem obigen Bild sogar auszumachen ist und ganz sicher ein besonderes Merkmal war. Hier größer im Blick.
  • Weiterhin berichtet er, dass am 30. Juni 1976 die Klasse der BÖHLEN nach dreimonatiger Werftzeit in Tuapse (SU) erneuert wurde und alle Schiffspapiere ihre Gültigkeit besaßen.
Gemeinsame Flaggenwechsel: (MT LEUNA-I, MT BÖHLEN und MS DESSAU ex LEUNA-II)
  • 01.01.1970 an VEB DEUTFRACHT - Internationale Befrachtung und Reederei Rostock (mit neuer Schornsteinmarke und Farbgebung)
  • 01.01.1974 an VEB Deutfracht/Seereederei Rostock (wieder frühere Schornsteinmarkierung und Farbgebung)
Havarien:
  • LEUNA-II, 1958, Explosion im Trockenladeraum nach Selbstverschulden, drei Tote
Schiffsverlust:
  • BÖHLEN, erlitt am 14.10.1976 auf der Reise von Bajo Grande in Venezuela nach Rostock mit 9.800 Tonnen Schweröl mit einer Konsistenz ähnlich wie Teer, welches pumpfähig auf 75°C gehalten werden musste, um 03:55 Uhr in stürmischem Wetter durch fehlerhafte Ortung bei der Inselgruppe Chaussee de Sein an der bretonischen Küste eine schwere Grundberührung und sank um 17:00 Uhr aufgrund der fatalen Beschädigungen, 26 auf See geblieben, größte Tragödie der DSR, Ölpest an der Ile de Sein und an der englischen Küste am 23.8.1977 beseitigt. Siehe dazu auch: Seeleute - Dokumentieren - Schiffsverluste der DSR
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Schiffsfotos:
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Von Erlebnissen an Bord:
Die Schiffe als Nach- bzw. Abbildungen:
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Zum Verbleib der verkauften LEUNA-Tanker:

1958 LEUNA-I - 1981 ALEXIA (GRC) - 1982 schwerer Maschinenschaden, Reparatur auf Kuba - 1984 ALEXIA I (PAN) - 1985 ab Kuba nach Brownsville/Texas (USA) zum Abbruch

1961 ZEITZ - 1968 PORT MARIA (FRA) - 1980 ARIS (LBR) - 1981 DELTA (GRC) - 1983 in Piraeus aufgelegt - 1993 zum Abbruch nach Aliaga (TUR) - 1994 Abbruch dort

1962 SCHWEDT - 1968 PORT BRIAC (FRA) - 1979 TYR (GRC) - 1982 (GRC) - 1983 Abbruch in Sevilla (ESP)

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Quellen: (1) "DSR - Deutsche Seereederei Rostock" von B. Götz und H. Wenzel 1996/2004,
      erschienen in Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg
(2) Die neue "Voll Voraus", Typ IV-Fahrensleute e.V., Rostock, 2008
(3) "Deutsche Seereederei", Verlag Gert Uwe Detlefsen, Bad Segeberg, 1996-2004
(4) "Catalogues of Ship's Types", DSR Rostock, 1962, 1965
(5) www.mt-boehlen.de/ fremdlink.gif von Matthias Dietrich, Calbe
Abbildungen: Herkunft oben benannt
Webseite: ABa, Hamburg, 29.12.2008, Mai, Juli 2011, Januar 2012, Februar 2015, Oktober 2017
Herzlichen Dank an Olaf Rahardt für seine Bilder bei uns!
Fotos und Stories vom Bordleben auf diesen Tankern sind uns jederzeit willkommen.

"Motortanker Typ LEUNA": Seeleute Rostock e.V. (ex Typ IV-Fahrensleute), 2008

   

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  18.10.2017  
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