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Wir erlebten Seefahrt!

Fotos und Episode von Horst Rothe aus seiner Fahrenszeit 1959 bis 1964 bei der DSR
   

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1960/61. MS "Erfurt" (1)
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1960. MS "Erfurt" (1) in Indien
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1961. "Erfurt" (1). Katastrophenreise
Von der Südamerikareise 1961

Die Rückreise des MS "Erfurt" von Südamerika nach Europa war für mich als "Nicht-Nautiker" wie eine "Katastrophenreise", warum?

In Buenos Aires hatten wir u.a. 5.000 t ungegerbte Rinderhäute geladen, eine Lage ungegerbte Rinderhäute, eine Lage Salz, eine Lage Rinderhäute u.s.w, der ganze Ladevorgang dauerte ca. 14 Tage. Diese Ladung hatte die Eigenschaft, viel Flüssigkeit abzusondern, die Laderaumräume mussten laufend gelenzt werden, jedes Mal roch das gesamte Achterschiff penetrant nach Kuhstall. Dieses aber nur nebenbei.

Als das Schiff voll beladen war, versuchten wir, auszulaufen. Dieses gelang aber nicht, da wir fest auf dem Grund lagen. Wir mussten auf Hochwasser warten. Nachdem endlich wieder Wasser unter dem Kiel war, begann die Rückreise nach Europa.

Schon nach kurzer Zeit stellten wir fest, dass wir bei dem verunglückten Auslaufmanöver uns die Backbord-Stevenrohrdichtung zerstört hatten. Eine Stahltrosse hatte sich in die Abdichtung zwischen Schiffskörper und der Bb-Welle verkeilt, dadurch zogen wir eine Ölspur hinter uns her. Die Bb-Welle wurde stillgelegt und Montevideo als Nothafen angesteuert. Dort untersuchten Taucher in Verbindung mit dem Germanischen Lloyd (mein späterer Arbeitgeber) den Schaden. Unter Beachtung, dass das Schiff voll beladen war, erteilte uns der GL die Erlaubnis, die Reise nach Europa mit nur einer funktionierenden Welle durchzuführen. Das Ergebnis war, dass das Ruder ca. 10 bis 20 Grad gegen gelegt werden musste, damit wir geradeaus fuhren, je nach Wind und Strömungsverhältnis.

Wer die Ansteuerung nach Montevideo kennt, der weiß, dass neben der schmalen Einfahrt Sandbänke verborgen sind. Da wir durch das Gegensteuern in der Navigation gehandicapt waren, dauerte es auch nicht lange, und wir saßen auf einer Sandbank fest. Angeforderte Schlepper bekamen uns erst nach zwei Tagen wieder flott. Eine erneute Taucheruntersuchung im Beisein des GL war erforderlich, aber wir durften unsere Reise fortsetzen.

Normalerweise benötigt man für die Reise von Montevideo nach Europa ca. 14 Tage, wir brauchten aber ca. fünf Wochen, denn bei schwerer See und Wind von vorn kamen wir nur ganz langsam vorwärts.

Eines frühen Morgens wurden wir durch einen Feueralarm geweckt - was war geschehen? Ein Teil der in den obersten Decks der Laderäume lagernden Expeller-Ladung hatte sich entzündet (Expeller - Ölpressrückstand - neigt wie nasses Heu zur Selbstentzündung). Nach dem Einsatz von Löschgas wurde der betreffende Laderaum kontrolliert, es waren noch Glutnester vorhanden. Mittels einer Stahlnetzbrook wurde die entsprechende Ladung von der Besatzung mit Hilfe des Ladegeschirres entsorgt und weiter ging es.

Auf Grund des langen Seetörns waren das Frischwasser und die Lebensmittelvorräte fast aufgebraucht und mussten rationiert werden. Mit knapper Not erreichten wir endlich Europa und steuerten Gibraltar als Nothafen an. Nachdem wir dort unsere Vorräte aufgefüllt hatten, konnte die Reise nach Liverpool fortgesetzt werden.

In Liverpool wurden wir auf Grund des Laderaumbrandes während unserer Überfahrt nach Europa von der englischen Feuerwehr an einer abgelegenen Pier erwartet. Auf der Fahrt zu dieser Pier kollidierte das Schiff mit einem Schleusentor, ausgelöst durch den Betrieb von nur einer Antriebswelle. Die Untersuchung durch die Feuerwehr ergab, dass alles in Ordnung sei, daraufhin konnte der Teil der Ladung gelöscht werden, der für England bestimmt war.

Weiter ging die Fahrt nach Rotterdam, wo wir kurz vor Weihnachten ankamen. An der Pier erwarteten uns bereits einige Lastkraftwagen der Lederindustrie der DDR, die die Rinderhäute abholen wollten, damit die Produktion in den entsprechenden Betrieben weiter laufen konnte. Da es aber Weihnachtszeit war, wurde in dieser Zeit im Hafen von Rotterdam nicht mehr gearbeitet. Nach einigen Verhandlungen mit der holländischen Gewerkschaft bekamen wir die Erlaubnis, die Rinderhäute selbst zu entladen.

Nur wer schon einmal diese oder ähnliche Arbeit gemacht hat, der weiß, wie schwer das Entladen von Rinderhäuten ist. Das Löschen der Häute ging nur langsam voran. Uns fehlte einfach die Erfahrung, wie man so einen Laderaum entlädt, denn nur dann, wenn das oberste Fell erwischt wurde, ging es weiter. Es war wirklich eine äußerst schwere Arbeit, aber was wurde nicht alles für Devisen gemacht, denn wir wurden für diese Tätigkeit extra entlohnt.

Im Januar kamen wir nach über sechs Monaten glücklich in Rostock an. Für die Reise nach Südamerika und zurück waren nur drei bis vier Monate geplant. MS "Erfurt" benötigte dafür aber mehr als sechs Monate.

Die Passagiere, die wir auf dieser Reise mit an Bord hatten, waren über diese lange Zeit nicht gerade erbaut und hatten durchgesetzt, dass sie schon von Rotterdam aus abreisen und nach Hause fahren durften.

Dies war nur ein kurzer Abriss aus meiner Fahrenszeit.
Jeder, der einmal zu See gefahren ist, der kann bestimmt viel erzählen.

Horst Rothe

1961/62. "Erfurt" (1). Zwei Äquatortaufen
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1961/62. "Erfurt" (1). Mauerbau & Folgen
Der 13. August 1961 und die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht am 24.01.1962 Erinnerungen eines Seefahrers nach 55 Jahren an diese Ereignisse

Am 13. August 1961 lag das Motorschiff "ERFURT" im Hafen von Buenos Aires und damit fernab der Einflusssphäre von DDR-Medien.

Früh am Morgen des 13.08.1961 kamen mit der Frischmilchlieferung auch einige deutschsprachige Zeitungen an Bord, ohne, dass diese bestellt worden waren. Was uns aber nicht weiter verwunderte, denn wir wussten, dass viele Nazi-Größen nach dem Ende des 2. Weltkrieges sich nach Südamerika abgesetzt hatten.

An Hand des Bildmaterials und der Artikel aus diesen Zeitungen entstand für uns Seeleute der Eindruck, dass in Berlin der Krieg ausgebrochen sei. Dort standen sich russische und amerikanische Panzer gegenüber!

Der GdK (Gehilfe des Kapitäns oder auch Politoffizier genannt), weigerte sich, als wir ihn aufforderten, dazu Stellung zu nehmen. Auskunft über die wahren Vorgänge in Berlin erhielten wir erst einige Tage später, nachdem sich der GdK in den Vertretungen der DDR in Buenos Aires ausreichend informiert hatte. Wir erfuhren, dass in Berlin ein so genannter "antifaschistischer Schutzwall" errichtet wurde, zwischen Ostberlin und Westberlin wurde eine Mauer gebaut und die Grenze wurde geschlossen.

Die Folgen des Schließens der Grenze nach Westdeutschland bekamen wir das erste Mal im ersten westeuropäischen Hafen zu spüren, verließen uns doch in Liverpool gleich einige Besatzungsmitglieder, so dass wir mit drei Mann weniger den Rest der Heimreise antreten mussten.

Eine Folge des Mauerbaues war die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der DDR am 24.01.1962, von der auch das fahrende Personal der DSR nicht ausgenommen war. Der Mauerbau und die Einführung der Wehrpflicht hatte gravierende Auswirkungen, die auch an Bord des Motorschiffes "ERFURT" zu spüren waren.

Schon während der ersten Reise im Jahr 1962 verließen 13 Besatzungsmitglieder das Motorschiff in Bremerhaven und damit die DDR. An ein Weiterfahren war nicht zu denken, zumal fast das gesamte Wirtschaftspersonal uns verlassen hatte. Der Kapitän war gezwungen, eine Durchsage an die restlichen Besatzungsmitglieder zu machen: "Wer kann kochen?"

Da wir noch nicht weit vom Heimathafen entfernt waren, versuchte die Reederei das fehlende Personal wieder aufzustocken und schickte fehlende Besatzungsmitglieder per Bahn nach Bremerhaven. Doch von den nachgeschickten Leuten kam fast niemand am Bestimmungsort an. Daraufhin fuhr die "ERFURT" zur Reede von Bremerhaven, um von einem Küstenmotorschiff der DSR die fehlenden Besatzungsmitglieder zu übernehmen.

Dieses Manöver glückte, und wir konnten unsere geplante Reise nach Fernost antreten.

Horst Rothe, im April 2016

1961/62. "Erfurt" (1). Arbeit & Freizeit
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1963. MS "Arcturus". Stralsund - Helsinki
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1963/64. MT "BÖHLEN". Schiff & Arbeit
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1963/64. MT "BÖHLEN". Freizeit
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Herzlichen Dank an Horst Rothe, Hamburg, für seine Erinnerungen
an unsere Seefahrt!

Fotoshow mit Shadowbox, © 2007-2010 M.J.I. Jackson
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"Wir erlebten Seefahrt!": Seeleute Rostock e.V., März 2012

   

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  04.04.2016  
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