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Autorenkollektiv

Verlockungen

Von Senoritas, Hafenbars und Interclubs

In: Havana, Kuba, Wakamatsu, Haiphong, Rostock, Shanghai, Penang, Colombo, und ...


slr-Flag-of-Cuba.gifdsrflagge.jpgVenceremos

Rolf Beckert

La Habana, Cuba, 1964. Eigentlich waren die Senoritas im Zuckerrohr-Einsatz. Aber eben nicht alle.

slr-HabanaClubs1-kl.jpgIn Havanna gab es, beispielsweise, den "Apple Club". Das Neon-Schild über dem Eingang zeigte eine Schlange, die in einen Apfel (Apple) beißt. War schon klar, wie es gemeint ist. Dämmerlicht. An den Wänden große Muscheln mit indirekter Beleuchtung. Unsere Bezeichnung für den "Apple Club" war 'Shorttime-Bude'.
Nebenan war das "Happy Land". Bisschen anderes Flair, aber ähnlich dem "Apple Club".
Die nächste Eingangstür, in Richtung Bahnhof, war die "Anchor Bar". In der Tür ist ein Bullauge. Es war beinahe wie auf einem Schiff. Wenn du da am Tresen stehst, dauert es nicht lange und du wirst von hinten gestreichelt und angesprochen mit "Hallo, Kapitano, how are you?" Oh, oh, das ging tief.

Und bezahlen? (Ich meine die Getränke.) Wie ging das?

slr-HabanaClubs2-kl.jpgJa, ganz in der Nähe der "Clubs/Bars", hier in Havanna, war eine Tankstelle mit Werkstatt. So eine Einheit heißt auf Amerikanisch "Garage". Zu meiner Zeit, damals 1964, war ja noch einiges "amerikanisch". Da konnte man (fast) ganz anonym eine Schachtel "Pall Mall", heißt dort "Pallo Mallo", in einen Kassenschlitz legen, und heraus kamen 8 Peso. Dies war unwahrscheinlich viel Geld. Davon kann man einen ganzen Abend bestreiten. One-night kostete eine Schachtel Pallo Mallo.

In Cuba war für uns Seeleute ein (Devisen-) Zwangsumtausch vorgegeben. 1 Peso, also entsprechend 1 Dollar (4 DM-West), mussten wir mindestens aufnehmen. Zurücktauschen war nicht möglich. Kaugummi oder Rasierklingen waren ebenfalls eine gute Währung. Das Problem war eigentlich nur - wie bekam ich diese Sachen runter vom Schiff?
Der Zoll hatte alles aufgerissen und selbst die Anzahl der Zigaretten in den Landgangsschein eingetragen. War bissel kompliziert. Gefilzt haben die vor allem nach Rasierklingen, Parfüm, Kosmetik allgemein, Strumpfhosen und Reizwäsche usw. Gerade diese Artikel waren in Cuba unübertreffbare Zahlungsmittel.
Liebe Leser, wir sind im Jahre 1964. Mit HeineKörner in Kuba.

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Confirmación

In diesen Worten mag sich wohl der Eine oder Andere wiedererkennen:

Der "Apple Club" ist mir auch bekannt, auch den von Rolf angeführten Begriff "short-time" bringe ich nur mit diesem Club in Zusammenhang. Als Lehrlinge kannten wir ihn schon vom Hörensagen, mussten auch einmal dort gewesen sein, aber um ehrlich zu sein, wohl gefühlt hatte ich mich nicht. Das lag wohl am jugendlichen Alter (16 Jahre), der Erziehung und an den abschreckenden Fotos bei der Ausbildung zum Gesundheitshelfer. Wir redeten uns damals auch ein, dass der sozialistische Seemann moralisch gefestigt sein musste - einfach weil er kein passendes Geld hatte. -- Peter Z.

Contestación
Diese Etablissements hatten nichts mit dem Interclub/Seemannsclub Havannas zu tun, der sich etwa einen Kilometer vom Bahnhof/"Apple Club" in Richtung der üblichen Anlegepiers "Sierra Maestra" außerhalb der Rot-Licht-Zone, aber auch im Altstadtbereich, befand oder noch befindet.

Eine weitere nette Geschichte dazu: Noch bis zum Dezember 1963 funktionierte und florierte das Rotlicht-Milieu um den Bahnhof herum in voller Pracht und Ausgelassenheit. Aber ab Januar 1964 steckte der "Maximo-Leader" viele freundliche und dienstbare Damen dieser gastlichen Stätten in die olivgrünen Uniformen der Heimatmiliz. Die Damen verstanden es, auch diese Bekleidung so eng zu gestalten, dass ihre Vorzüge gut zu erkennen waren. Als junge Bengels haben wir ihre Bemühungen, sich in den Straßen Havannas im Gleichschritt zu bewegen, sehr gern beobachtet. Das muss wohl auch den Damen selbst einen Heidenspaß gemacht haben, denn sie winkten oft verstohlen zu uns herüber und provozierten dabei absichtlich so manches Chaos. Nur waren dadurch abends zumindest vorübergehend die "Clubs" wie leergefegt, da die dienstbaren Damen in ihren Kasernen bleiben mussten.

Wie es dann weiterging, weiß der Erzähler nicht, denn nach dem Ende seiner "Fichte"-Zeit 1964
(vgl. JGFichte) ist er erst 1977 wieder nach Havanna gekommen. Die üblichen Hafen-Bars existierten zwar noch, aber meistens war er dann doch mit anderen Leuten verabredet und besuchte das "Nacional", "Habana Libre", die "Bodega" oder als Kubaner verkleidet das "Castillo", was für Ausländer offiziell nicht zugänglich war und möglicherweise noch ist. Das ergab sich einfach durch seine Funktion an Bord und seine Spanisch-Kenntnisse. -- Norbert S.

Recuerdos del Cuba Clubs 1974

Kuba-Club-Souvenirs 1974 aus ABa's Sammlung mit GBüchner

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slr-cocktailnotebook-03.jpgslr-cocktailnotebook-05.jpgslr-cocktailnotebook-07.jpgslr-cocktailnotebook-09.jpgslr-cocktailnotebook-10.jpgslr-cocktailnotebook-12.jpgslr-cocktailnotebook-14.jpgslr-cocktailnotebook-16.jpgslr-cocktailnotebook-17.jpg


Im Zuckerrohr

von Rolf und Rolf

slr-im-zucker-0019-kl.jpg Ein Foto der "Mädels aus der Zuckerfabrik" von Matanzas
(MS "Freundschaft", vgl. Typ-IV, Kuba 1964).
Wie man sieht, sie wollten alle auf's Bild.
Es sind keine "Bordsteinschwalben". -- Rolf Beckert
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Wegen Cuba habe ich ein paar Bilder von einem Ausflug ins Landesinnere und auf ein Zuckerohrfeld. Wir hatten, glaube ich, mit der "Schwerin", vgl. Typ-IV, 1975 die längste Cubareise von fünf Monaten. Lagen davon schon zwei Monate vor Havanna auf Reede. Kapt. Diestel hat sie in seinem Buch "Zwischen Rostock und Rio" beschrieben. -- Rolf Schneider

¡Viva Cuba!

Verfall, Oldtimer, Sonne, Kubaner, Lebensfreude - 1974 - 2022

Diese größte Insel in der Karibik und ihre Leute haben das einzigartige Flair und die Einstellung zum kargen Leben bewahrt. Erinnerungen von 1974 fürs Leben ABa's DSR-Fotos fremdlink.gif! Im Februar 1974 in Santiago de Cuba lud uns mein Amigo, ein Hafenarbeiter, auf die "Isla del Tesoro" ein. Musik, Tanz, Ron und Cerveza ... oh, oh! ;-) - Im März 1974 waren wir am Strand vor Casilda in für uns warmer Karibik die einzigen Bader weit und breit. O-Ton eines Kubaners: "Winter. Zu kalt." - Am 11. Juni 1974 waren wir in Havanna bei der Übernahme von frischen Lebensmitteln wie dem einzigartigen kubanischen Eis beteiligt. - Am folgenden Abend besuchten wir im Interclub eine typische und wirklich mitreißende Musicshow - wie ein kleines "Tropicana Caberet". Cuba forever!
1997 - Der BUENA VISTA SOCIAL CLUB wurde auf die Bühnen der Welt gebracht - Riesen-Erfolg!
2012 ff. - Das SAOCO Trio On Tour - Ambiente Cubano mit der unvergessenen Flor († 2020)
2019 - Im Dezember feierten wir slr-weihnachten-auf-kuba.jpg
2022 - Eine junge Generation erlebt gleiche Eindrücke wie wir und besingt sie im kubanischen Sound: Candela.
Vorschlag: Kuba im Ganzen als kulturelles Welterbe der UNESCO deklarieren, um Insel, Land und Leute vor uns Heuschrecken zu beschützen und dann nachhaltig dabei zu helfen, zu zeigen wie es war und immer noch ist.
ABa, SN/HRO/HH, 28.8.2022

slr-Flag-of-Japan.gifdsrflagge.jpgWakamatsu

Rolf Beckert

slr-ACB-vorders-kl.jpg Vorn und hinten einer
Zündholzschachtel.
Und wie man sieht,
aus einer Bar in
Wakamatsu/Japan.
slr-ACB-ruecks-kl.jpg
slr-ACB-Wakamatsu-kl.jpg   
"ASHIBI" sagen die Japaner dazu, was immer das auch heißen mag.

Es gab eine Hinterhofkaschemme hier in Wakamatsu/Japan, der Name war "ACB".

Wer ein Mädchen mitnehmen wollte (wohin denn eigentlich?), musste, abhängig von der Uhrzeit, den "Geschäftsausfall" für dieses Animiermädchen berappen.

Ihr wisst doch, wie das so funktioniert.

Und ihr, liebe Seelords, wisst auch, dass wir für solche Späße gar kein richtiges Geld hatten.


Zeitkino

midi/slr-zeitkinoplakat-107-14.jpgGucke das Bild an, dann weißt du was im Kino läuft. Hätte fast vergessen, zu sagen wo das war:

Mit der WERNER SEELENBINDER in Wakamatsu/Japan 1968.

Es war, wer den Begriff noch kennt, ein Zeitkino. Einmal bezahlen und sitzenbleiben, bis man "Wurzeln schlägt". Nein, den Film erzähle ich jetzt nicht.

Aber vielleicht so viel von der Darbietung: Der Film (bzw. die Leinwand) war "Breitwand". Nun würde aber doch eine schöne Frau, die mittig im Bild gezeigt werden soll, zu klein abgebildet werden. Da gab es eine ganz einfache Lösung dafür: Bei der Aufnahme wurde die Kamera um neunzig Grad gedreht, und schon war diese schöne Frau in voller Größe auf der Leinwand, allerdings eben um neunzig Grad gedreht (also jetzt quer im Bild). Und weiter, nur die "wichtigen" Film-Stellen waren in Farbe, der Rest in Schwarzweiß.

Unwahrscheinlich interessant, und für unsere (deutschen) Verhältnisse etwas schockierend, war die Beheizung des Zuschauerraumes. Dort, wo bei unserem "Landfilm" üblicherweise das Kurbelgerät zum Rückspulen der Filmrollen steht, da stand ein eigenartiges "Heizgerät". Zur Beheizung des gesamten Kinos. Das beschreibe ich jetzt: Ein großer Gas-Ringbrenner, Durchmesser zwei Meter, wurde von hinten mit einem großen Ventilator durchlüftet. Die erwärmte Luft wurde in den Raum geblasen. Logo, es gab nun günstige und ungünstige Plätze für die Kino-Zuschauer. Die warme Zugluft im Genick war einfach Geschmackssache. Gut, die Eintrittspreise weiß ich nicht mehr, aber wir von der SEELENBINDER genehmigten uns wahrscheinlich nur die Plätze: "Preis geht gerade noch". Schön warm.

"Und der Film…?" "Naja, nicht schlecht…!"


slr-Flag-of-Vietnam.gifdsrflagge.jpgNhà hàng & Bar Thiên Ðuòng, Hài Phòng

ABa

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"Restaurant & Bar Paradise" von Nguyên Ðúc Dung (2008), gefunden über Google Earth

Bei dem Foto erinnere ich mich nur zu gerne an Haiphong zurück. Ich glaube, so oder ähnlich bot sich im Frühjahr 1975 der dort etablierte Seemannsclub ("bei Antonio" am Hafentor) auch dar. Leider waren unsere Fotoapparate unter Verschluss, aber etwas blieb im Geiste doch haften.
Beim Herumstromern durch Haiphongs Straßen am ersten Abend und Aufsaugen des dortigen Lebens waren wir von einer Horde "Hallo, hallo!" rufender Kinder umringt.1)   Viel lieber aber warfen wir verstohlene Blicke nach den sehr freundlichen und dazu noch hübschen Mädels. Und wir stellten die Sportverliebtheit fest - der Sportplatz war "gerammelt voll".
Verlockendes Ziel war an diesem und an zwei weiteren Abenden der Seemannsclub, wo wir uns im Hof des Areals an gegen tropische Regenschauer überdachte Tische setzten. Hier ließen wir es uns gefallen, verarbeiteten unser Tagwerk an Bord im Hafen und die neuen Eindrücke aus dem für uns wirklich exotischen Haiphong. Wunderbar verstärkt wurde dabei unser Wohlsein durch "Stolitschnaja" in vietnamesischem Ananas-Juice mit original in Vietnam gerösteten Erdnüssen dazu - das war Genuss pur ...


Einer von 10 Hao, die damals 1 Dong ausmachten (1972)

1)   Was Andreas in seinem Geiste "verdrängte", haftet dafür noch in meiner Erinnerung: In Haiphong sind uns nicht nur die Kinder hinterhergelaufen, sondern auch die größeren Jungs. Die haben um Zigaretten gebettelt - und die Kippen von uns aufgelesen und weitergeraucht. -- Rolf Beckert


2 Hao - kleine Geldscheine für die mittleren Werte (1958)


slr-Flag-of-Germany.gifslr-Flag-of-EGermany.gifInternationaler Klub der Seeleute, Rostock

Rolf Beckert

slr-HRO-clublabel-kl.jpg Liebe Seelords,

meine Seemannsklub-Fotos sind nicht unbedingt der Renner. Aber leider, so unverlockend sah der ehemalige Klub derzeit (2009) aus.

Es ist schade, wie so eine schöne Tradition absterben konnte. Dieser "Internationale Klub der Seeleute" gehörte zu unserer Seefahrt.

Wir haben noch in guter Erinnerung, dass wir nachts kostenlos von hier mit einem Bus ("Robur" oder "Barkas") in den Überseehafen "transportiert" wurden. Wer mitfahren wollte.
slr-HRO-Hafenbus-VV15ljuli1972.jpg
slr-HRO-club-1190-kl.jpg slr-HRO-club-1194-kl.jpg

Internationaler Seemannsclub
Kurt-Wener Langer

Im Jahre 1970/1971 qualifizierte ich mich mit vielen anderen Kollegen zum Abiturienten an der BBS der DSR im Krischanweg2). Gleichzeitig mit uns waren dort auch noch viele Lehrlinge eingebunden. Wir hatten meistens von 13.30 Uhr an bis gegen 18.00 Uhr oder sogar später Unterricht. Unser Haupt durften wir im Haus Sonne betten2). Die Zimmer waren statt mit 3 mit 6 Mann belegt. Dieses war dem Umstand geschuldet, dass die Sonne auch als Lehrlingswohnheim diente. Ein zweckentsprechender Bau wurde erst später eingenommen2). So war die Hotelkapazität recht eingeschränkt. Was sollte man als junger Mensch machen, wenn man aus der Schule kam, Hausaufgaben, aber dazu hatten wir oft keine Lust. Meistens wurde dann am anderen Morgen in die Bücher bzw. Hefte geschaut.
Das Haus Sonne kannten wir zur Genüge, und etwas Abwechslung tut dem Menschen gut. So gingen wir oft in den Seemannsclub am Wendländer Schilde vor der Nikolaikirche. Hier gab es immer gute Biere (Radeberger, Wernesgrüner oder ähnliches), aber auch das geschmackvolle und preiswerte Essen war ein Anziehungspunkt. Zum anderen war an zwei Tagen die Woche auch Tanz, und nette Damen verkehrten hier. Manchmal wurde es sogar ein wenig eng, weil auch noch Seeleute aus dem Hafen herangebracht wurden. Es war stets eine ausgelassene Stimmung dort, und man konnte einiges erleben. Hier schweigt des Sängers Höflichkeit.
Manchmal wollte man uns auch nicht einlassen, da wir kein Seefahrtsbuch hatten. Aber mit der Zeit kannte man uns, und schon der Nachweis, dass das Seefahrtsbuch eingezogen war, reichte dann aus. Es war ein angenehmes Jahr, und wir nutzten den Club oftmals. Später vom Hafen aus wurde der Club von uns nicht mehr so besucht. Auch wurde dann der Seemannsclub in Oldendorf Nähe ÜSH aufgebaut und zu vielfältigen Veranstaltungen genutzt2). Dieser wurde bald nach der Wende dem Erdboden gleich gemacht.
Das Haus am Wendländer Schilde ging in den Besitz der ÖTV über und wurde zum ersten Sitz der Kreisverwaltung Rostock. Nach dem Leerzug wurde es mehrmals zum Verkauf angeboten, jedoch erfolglos. Und so verfiel das Haus mehr und mehr, bis es dann nach Jahren einen Käufer fand und dieser es zu Eigentumswohnungen umbaute. Zur Erinnerung wurde der alte Schriftzug restauriert, und er ziert das Haus noch heute.
2) (B)BS, Sonne, Lehrlingswohnheim, Seemannsclub Oldendorf - siehe Die Häuser der DSR.

slr-seeleute-club-pin.jpgOZ-Rostock-Seemannsklub.jpg
OZ vom 24.02.2010:
Berliner Investoren wollen
Klub der Seeleute beleben

Rolf Schneider versorgte uns mit
nebenstehendem Artikel zum
Thema, den wir auf Anfrage gerne
zusenden können.

"Rostocker Express" vom 11.04.2012:
Altstadt - "Klub" wird umgebaut - Besitzer hat Pläne. So sollen acht Wohnungen, zwei Büros und eine Garage entstehen. Dabei soll die historische Fassade erhalten bleiben.

2013: So sah der Plan aus. Aushang in der linken Fensteröffnung des Klubs. Foto: Rolf Beckert, Chemnitz
2014: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Und so wird das Projekt um dieses Gebäude wohl zum vorgesehenen Ende bzw. Nutzungsplan kommen.
slr-seeleute-klub-2016.jpg
"Warnow Kurier" vom 23.07.2016: Seit Kurzem erstrahlt der Internationale Klub der Seeleute in neuem Glanz. Mehr als zwei Jahre wurde das markante Gebäude saniert. Mitte der 50er-Jahre wurde der bekannte Klub der Seeleute speziell für Seefahrer aus dem In- und Ausland eingerichtet. Dort gab es Musik und Barbetrieb - unter strenger Bewachung der Stasi. Auch Hotelzimmer standen zur Verfügung. Später zog der Gewerkschaftsbund FDGB ein. Nach der Wende stand das Haus leer und verfiel.
Nachtrag am 4.8.2019: FdGB-Lexikon, Internationaler Klub der Seeleute

Die Indianer-Rosi oder Rostock-Paulstraße

Rolf Beckert, etwa um 1965

Der Arzt des Medizinischen Dienstes für Verkehrswesen der DDR (der Hafenarzt) konnte bei mir am Magen nichts finden. Deshalb schickte er mich zum Röntgen. Das Fräulein Sprechstundenhilfe gab mir den Überweisungsschein für das Röntgen mit den Worten "Poliklinik Paulstraße". Dieses Paulstraße dabei aber auffällig stark überbetonend. "Und wo ist das, bitte?", fragte ich. "Kennen sie die midi/slr-paulstr-rob-5348.jpgzwidelft.gifPaulstraße nicht --- Sie sind doch ein Seemann." Paulstraße? - Seemann? Es wollte einfach nicht 'klicken'. "Na, die Paulstraße, die Hautklinik, da müssen doch alle Seemänner hin, die sich einen --- Schnupfen eingefangen haben", schob sie nach.

Lieber Leser, jetzt ist geklärt, was dort los ist - eine Hautklinik. Aha! Und falls es noch Fragen gibt: Da müssen die Seemänner hin, mit --- Schnupfen!

Ich, mit meinem Überweisungsschein zum Magenröntgen, war da ein ganz harmloser Fall, ich passte dort gar nicht richtig hin. Die Stammkunden hatten sich, so sagten sie, mit ETWAS angesteckt. Vielleicht bei der Manuela, der Indianer-Rosi oder einer Schönheit in Veracruz.

Na, so was Blödes aber auch. Schmunzel, schmunzel. Der Bootsmann der EMMA* - so gab es ein Gerücht - wurde in der Haut-Abteilung in der Paulstraße bereits erwartet, wenn sein Dampfer wieder mal in Rostock lag.
* Der Name des Dampfers unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht, sorry.
Andere Patienten sagten etwas schüchtern, sie müssten jetzt viel Penizillin schlucken, vielleicht wegen einer Mittelohrentzündung. Na, sowas. Schmunzel.

Mein Röntgenbild? Alles ok. Das Seefahrtsbuch wurde wieder freigegeben.

Und Rostock, Paulstraße? See you later, alligator ;-)


Im Dicken Pisser
Autorenkollektiv@Facebook, Juli 2024

Lindenhof, Gehlsdorf
Jürgen Seifert: Vor 55 Jahren Treffen der Maschinengang mit Koch im "dicken Piss....". Zum ersten Mal seit Übernahme von den Norwegern in Rotterdam wieder in Rostock-Ölhafen mit MT Wolfen. Vielleicht erkennt sich noch jemand??? 2. von links Koch Mario Richter. Storekeeper ist auch noch zu erkennen. Meine Wenigkeit neben Mario. Am Fenster re. glaube ich einen von Deck zu erkennen.

Jürgen Seifert, Chemnitz
Christian Baumgart: Oh, jaaa. Der legendäre 'dicke' Lindenhof... Als Kind mit Opa und auch später oft zum Mittagessen gewesen. Bin im schönen Gehlsdorf aufgewachsen und habe dort vierzig Jahre gelebt. Legendär die Klos in der Tiefe. Habe zu Mäcki, einem der ehemaligen Kellner, noch Kontakt. Die letzte Chefin, ich glaub, sie hieß Evi, war die Mutter meiner Klassenkameradin, dadurch haben wir dort oft gefeiert. Vatern hat immer für 5 Mark in der Kegelbahn, die sich im Keller befand, die Kegel aufgestellt, er hat sich dort als Halbstarker immer Geld dazu verdient. Dann stand noch, allerdings vor meiner Zeit, auf dem Grundstück, das immer noch voller alter Linden ist, eine Schießbude. In den 90er Jahren war dann Schluss, heute stehen auf dem Gelände neue Wohnhäuser. Mein Vater wohnt seit seiner Flucht aus Danzig 1945 immer noch in Gehlsdorf. Wenn wir schon dabei sind, möchte ich noch Onkel Toms Hütte in der Amtsstrasse und den legendären Warnowblick in Langenort, die es beide auch schon seit 30 Jahren nicht mehr gibt, erwähnen. Eine Erinnerung in eine entschleunigte, ganz andere Zeit.
Als Papa mit der OELSA oder anderen Schiffen in den Stadthafen einlief, war ich fast immer am Warnowufer und habe das Einlaufen angeschaut, meist auch dabei geangelt. Manchmal musste das Schiff auf Mist rutschen, weil die Warnow zu flach war. Mit Voll Zurück gewendet, dann war die Warnow tiefschwarz. Wisst Ihr, dass es ein Regierungsabkommen gab, das den Holzframos eine Mehrbeladung aus russischen Ostseehäfen erlaubte? Eine spezielle Tonnagemarke gab es auch. Euch aus Hamburg einen schönen Mittwoch! Christian.
Danke, Christian, du bestätigst unsere Anmerkung zur Lademarke, siehe Schiffstechnik & Seemannsc/haft #2.17
Klaus Ammersdoerfer: Ja, Lindenhof ist richtig. Ich erkenne auch noch die Gardinen!!! 23.45 mit dem letzten Bus zum Überseehafen. Im ersten Lehrjahr auf der Körner hatten wir Lehrlinge 3x die Gelegenheit den dicken "Lindenhof" zu besuchen. Auf der Fichte waren wir länger unterwegs und hatten nur 1x das Glück dort zu sein! Unvergessen der Schlüpfertanz! Plötzlich lag ein grüner dicker Damenschlüpfer auf der Tanzfläche. Jeder, der in die Nähe des Schlüpfers kam, versuchte diesen mit dem Fuß in die Luft zu schlagen. Sie landeten fast immer jemandem auf der Schulter, und das Gegröhle war lauter als die Musik. Einige Stories vom "Dicken" kennen viele aus meinen Büchern! Das war noch Seefahrt, oder?
Peter Duwe: Die Bierkrüge sehen nicht schlecht aus. Aber hatte das Bier auch geschmeckt? Ich war nie bis in diese Kneipe gekommen. Sie war von der Südstadt irgendwie zu weit weg. Wie hieß sie eigentlich richtig??? Ich habe noch irgendwas mit Linde im Gedächtnis.
Jürgen Seifert: Hallo, Linde kann sein. Ich kenne nur diesen Namen und die Schießbude. Ich war nur 1x dort bedingt durch die Nähe des Ölhafen. Ja die Bierkrüge, eine Gefahr für das Leben, denn nach 22 Uhr wurden sie zu WURFGESCHOSSEN; viele Mollys......
Jürgen Altmann: Meiner Meinung nach war der offizielle Name Lindenhof. Einzige Bahn dahin und zurück war die Tram Linie 4 (Linie 4, "Lumpensammler". Nur in Holz. Bis 1974, dann Busverkehr.). War die letzte Bahn weg, dann freute sich ein Taxifahrer.
Wolf Kaiser: Der "Lindenhof", so die offizielle Bezeichnung, war auch als "Dicker Ast" oder etwas derber als "Dicker Pisser" in einschlägigen Kreisen gut bekannt. Oft gab es Schlägereien, der furchtbar steile hölzerne Niedergang zum Klo war allein schon ein AS-Vergehen. Grau mit Ölfarbe gepönt. Wer da ins Rutschen kam im Suff, war schneller unten als man Amen sagen konnte. Und der Schießbudenfrau wurde gelegentlich auch mal eins hinten aufgebrannt. Die trug, wenn ich mich recht erinnere, Lederhose, quasi als "Kugelfang". Eigentlich war's nur ein Saufhaus, aber Sonntags wurde auch live gespielt. ("Unisonos" aus Rostock?)
Peter Duwe: Naja, die beiden „Dicken“ Namen kannte ich auch. Ich hatte Montags immer von meinen Lehrlingskumpels gehört, was da so los war. Heute ist diese olle „Stampe“ dafür legendär.
Die Schauergeschichten aus dem "Dicken Pisser" in Rostock-Gehlsdorf gingen durch aller Munde, egal des Daseins, ob als Sailor oder als "Molly". Warum nur dieser Zwiespalt zwischen Militär- und Zivilschifffahrt? Es sind eben zwei sehr unterschiedliche Sparten der Seefahrt, die einfach nur Spaß haben wollten. Dafür ein sagenhaftes Lokal - mit wenig Anziehungskraft. Aber irgendwie magnetisch für die jungen Seeleute in Rostock.

slr-Flag-of-PR-China.gifdsrflagge.jpgShanghai International Seamen's Club

ABa

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"Shanghai-Andenken 1975" von ABa, Hamburg (3.6.2015)

Durch einen äußeren Anstoß fiel mir Shanghai wieder mal ein. Vom 22. bis zum 24. April 1975 war ich mit der FRIEDEN dort, und am Abend des 23. April ließen wir uns per Taxi zum Seemannsclub fahren, wobei natürlich die Bilder der Stadt nur so vorüberflogen. Von diesen chinesischen Fahrzeugen waren wir übrigens begeistert: "Es waren nur das Singen der Reifen auf dem Asphalt und das Klappern der Ventile zu hören. Und die Federung war vielleicht gut!" Im Seemannsclub schweiften unsere Blicke zunächst über die wahnsinnige Auslage dieses bekannten Buches in Sprachen aller Herren Länder, aber dann gaben wir unser Geld lieber doch im Shop für schönere Dinge aus. Das Foto oben zeigt einen Teil meines Erwerbs, meine ach so blau geliebten Trinkgläser und das Glasbehältnis einer chinesischen Alkoholität, die an Bord lange vor einer weiteren geleert war. Mit diesen Stäbchen versuchten wir sodann im Restaurant zunächst unser Mahl einzunehmen: Mixreis mit Bambusspitzen und Champignons. Die aber waren so kugelrund, dass wir bald wieder zu gewohntem Besteck griffen. Das Gericht hatte uns sehr gut gemundet. Pünktlich zur nächtlichen Wache waren wir wieder an Bord.

Am 2.6.2015 nun interessierten mich unsere damaligen Wege, und ich begann mit der Suche. Beim Shanghai_Club_Building fremdlink.gif las ich, dass hier seit 1949 der Seemannsclub eingerichtet war, und dass es in der zweiten Etage die berühmte "Long Bar" gab, der wohl weltweit längsten Bar in einem Stück. Es war eine L-förmige Bar aus unpoliertem Mahagoni, die 34 Meter in der Länge maß. Jemand meinte "beim Drauflegen seiner Wange, dass er die Krümmung der Erde sehen könne." (Der historische "Shanghai Club" beherbergt nun das "Waldorf Astoria Shanghai on the Bund".) Dabei lernte ich den Namen dieser Uferstraße bewusst kennen: "Bund". 1971 soll das Gebäude zum Dongfeng Hotel geworden sein. In welchem Gebäude nun waren wir 1975? Ich kann mich nur in Fetzen an eine großzügige Treppe nach oben erinnern, an eine obere Ballustrade (?), an den Shop und an das geräumige Restaurant. Ich startete eine Gästebücher-Aktion und erhielt Antworten. Danke schön! Auch wenn wir betreffs der Lokationen des Seemannsklubs weiterhin ratlos waren:

"Hallo Andreas, du stellst eine gute Frage. Ich war 1969 das erste Mal dort. (Also doch noch zu Zeiten des Seemannsclubs im "Shanghai Club"!) Wir lagen direkt gegenüber dem Bund auf dem Fluss, später auch an der Pier. Leider war Fotografieren nicht möglich, sonst hätte man sich besser erinnern können. Zum Seemannsclub sind wir durch ein paar Nebenstraßen hin zum Bund gelaufen, aber an das Gebäude kann ich mich absolut nicht mehr erinnern, nur dass ich von dort die Mao-Bibel mitgenommen habe, die bei mir noch im Regal steht. Außerdem eine feine Lederjacke und jede Menge Konserven, die an Bord geliefert wurden." -- Friedrich S.

"Hallo Andreas, habe deinen Eintrag im Gästebuch unserer Webseite gelesen. Mir geht es wie dir. Ich war 1976 in Shanghai gewesen. Ich GLAUBE, dass es da schon die Bar mit der Riesen Theke nicht mehr gab. Wo der Seemannsclub nun war, habe ich auch vergessen, obwohl ich mich an das tolle Essen dort noch gut erinnern kann." -- Wolfgang K.

Wir hatten damals wirklich anderes im Kopf, als uns mit Liegeplätzen, Wegen und Bauten, also mit den Gegebenheiten vor Ort, so richtig vertraut zu machen ... Und die Fotoapparate waren auch hier in der Transitlast eingeschlossen ...

Bei einer erneuten Suche wurde ich bei der NEW YORK TIMES fremdlink.gif fündig. Im Artikel "Seeleute beklagen: Was sollen sie in Shanghai anfangen?" vom 5.11.1982 liest man, "Der Seemannsclub, der im eleganten alten russischen Konsulat am Wasser, wo der stinkende Suzhou Fluss in den schlammigen Fluss Huangpu fließt, untergebracht ist, ...". Aber ist das glaubwürdig? Internationale Aktivitäten im Russischen Konsulat fremdlink.gif?
H.-J. Mathy verweist dagegen auf ein noch am Bund gegenüber dem russischen Konsulat und dem Broadway Mansions fremdlink.gif am anderen Ende der Waibaidu-Brücke fremdlink.gif gelegenes Gebäude, wie wir nun unter Plötzlich fehlte einer ... zeigen.


slr-Flag-of-Malaysia.gifdsrflagge.jpgHong Kong Bar, Penang, Malaysia

Konrad Völkel

midi/slr-Hong-Kong-Bar-Penang-a.jpgDieses Lokal war bei unseren Fernost-Fahrern beliebt, konnten sie doch in einem Fotoalbum nach Kollegen von ihren Reisen suchen. Denn das war auch schon so ein Usus dort, nach dem zweiten Bier wurde die Gruppe am Tisch fotografiert, um ein paar Zeilen gebeten, und diese landeten zusammen mit dem Bild in Einsteckalben.

Ob es dort die Fotos und Worte unserer Seefahrer noch gibt?

midi/slr-Hong-Kong-Bar-Penang-b.jpg
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Ein Foto aus dieser Bar in Georgetown/Penang vom 3.6.1984. Besatzungsmitglieder des MS "Sondershausen" von links: Koch Konrad V., Maschinen-Assistent, Mitte hinten Steward E. V., vorn Stewardess Sabine S., rechts Maschinen-Assistent. Siehe dazu auch Auf 80er Asienfahrt.

slr-Flag-of-SriLanka.gifdsrflagge.jpgColombo/Ceylon

Rolf Beckert, Chemnitz

Handwerk, Schmuck und Edelsteine - ach wie schön.


Bling, Bling - asiatische Kunsthandwerke, Schmuckstücke und Edelsteine in Colombo, Ceylon (1963)

Aber eben nicht für uns DDR-Seeleute. Dafür reichten unsere paar Pfennige Handgeld in harter Währung doch nicht. Für die Eltern oder eventuell für die Freundin brachten wir aus Ceylon einige Dosen Ananas mit nach hause. Das war damals eine echte Rarität. Und nicht zu vergessen, eine Packung CEYLON-TEE. "Meine" Teepackung hatte die Größe eines Ziegelsteins, gepresst. Irgendwie war die Packung aufgerissen, wahrscheinlich vom Zoll "zur Kontrolle geöffnet". Die zum Teil sehr hohe Luftfeuchtigkeit an Bord brachte meinen Tee zum Schimmeln. Vielleicht war dies die eigentliche Würze; eben ECHT-CEYLON-TEE. Meine weiteren Mitbringsel nach hause waren elf Kokosnüsse. Anno 1963.

Quellen der Nationalflaggen: Wikipedia: Liste_der_Nationalflaggen fremdlink.gif,
www.flaggenlexikon.de/ fremdlink.gif und
Wikipedia: Flagge_der_Deutschen_Demokratischen_Republik
fremdlink.gif
Präsentation der Abbildungen mit Shadowbox, © 2007-2010 M.J.I. Jackson

Herzlichen Dank an euch für eure Klub-Erlebnisse und -Reliquien!

Wer mehr zum Thema beisteuern möchte: webmaster@seeleute-rostock.de


"Verlockungen": Seeleute Rostock e.V., 2010-2015

   

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  13.07.2024  
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Tradi?
"Tradi" - Fakten
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