Der Seitentrawler "Gera" mit der
Fischereikennung ROS-223 aus der lediglich fünf Einheiten umfassenden
Serie "Brandenburg" (Typ III) wurde am 14.10.1961 vom Fiko
Rostock (VEB Fischkombinat Rostock) in Dienst gestellt.
Im Juni 1990 wurde der Seitentrawler von der Stadt Bremerhaven vor der
Verschrottung bewahrt und dorthin überführt, um ihn als Museumsschiff
einzurichten. Im Fischereihafen Eins am Fischkai liegend vermittelt die
"Gera" einen wahren Einblick in die harte Arbeitswelt der
Hochseefischerei.
Die Schiffe dieser Serie waren die letzten
Fischereifahrzeuge für die DDR mit Seitenfangtechnik und eine
Weiterentwicklung der Seitentrawlertypen I und II. Sie befanden sich
1981 noch sämtlich als Zubringertrawler für die Fang- und
Verarbeitungsschiffe im Einsatz. Die Fangplätze lagen vorwiegend im
Nordatlantik (Grönland, Labrador, Neufundland). Die maximale
Jahresfangleistung betrug 3.596 t (1966).
Seitentrawler Typ III in der Seitenansicht
Grafik/Print: Günter Dame/(2) | Repro & Montage: ABa,
Hamburg, 2017
Technische Daten:
Volldecker
Schiffstyp
Seitentrawler Typ III
Bauwerft
VEB Peene-Werft Wolgast
Baujahr
1961
Objekt-Nummer
83
Klassifizierung
A I (Eis) Fischerei
Besatzung
29 Personen
Länge über alles
65,50 m
Länge zwischen den Loten
60,04 m
Breite auf Spanten
10,32 m
Seitenhöhe bis Hauptdeck
5,70 m
Tiefgang auf halber Länge
4,64 m
Aktionsdauer, maximal
100 Tage
Tragfähigkeit
466 t
Verdrängung
1.473 t
Vermessung
938 BRT / 290 NRT
Fischraumvolumen
458 m³
Hauptmaschine(n)
siehe unten im Text
Antriebsleistung
1.045 kW (1.420 PS)
Höchstgeschwindigkeit
13,2 kn
ROS-223 "Gera" - erhaltener Seitentrawler der Serie
"Brandenburg" (Typ III) in Bremerhaven Screenshot_2021-03-09_Bremerhaven.jpg:
seeleute-rostock.de (ABa, Hamburg)
Die fünf Schiffe
dieser Serie:
Schiffsname
Kennung
Obj.-Nr.
Rufzeichen
I.D.
A.D.
Verbleib (an)
BRANDENBURG
ROS-221
81
DHXU
01.12.1960
17.11.1981
Abbruch
BITTERFELD
ROS-222
82
DHXW
04.08.1961
01.01.1983
Abbruch
GERA
ROS-223
83
DHXY
14.10.1961
15.06.1990
HM Bremerhaven
GÖRLITZ
ROS-224
84
DHXV
01.11.1961
15.01.1981
Abbruch
COTTBUS
ROS-225
85
DHXZ
09.11.1961
28.01.1982
Abbruch
Es waren Eindeckschiffe
mit Back und Poop, deren Schiffskörper durch sechs Querschotte
unterteilt waren in Vorpiek, Netzraum, Laderäume I und II,
Verarbeitungs- und Fischkuchenraum, Maschinenraum, Wohn- und Provianträume,
Achterpiek.
Die Fischereinetzwinde hatte eine Zugkraft von 108 kN bei einer
Seilgeschwindigkeit von 55 m/min. Sie war mit zwei Kurrleinentrommeln für
je 1.800 m 26-mm-Stahlseil und vier Spillköpfen ausgerüstet. An der
StB-Seite befanden sich zwei Fischgalgen. Die Steerte wurden mit dem am
Fockmast befestigten 1,5-t-Steertbaum und einem 1,5-t-Rollerbaum an
Bord gehievt. Der Fang gelangte durch Luken entweder in die Laderäume,
wo er in Eis gelagert wurde, oder zur Fischmehlanlage. Außerdem waren
eine Leberölgewinnungsanlage (zwei Apparate mit 600 bzw. 300 kg Füllung)
und in der Back eine Leberkonservierungsanlage für 250 kg/24 h
vorhanden. Eine automatisch arbeitende R 12-Kälteanlage führte die in
die Fischräume einstrahlende Wärme ab. Die Nutzladung auf der
Heimreise betrug 303 t.
Die Vater-und-Sohn-Antriebsanlage bestand aus einem
677-kW-Viertakt-Dieselmotor des Typs 8NVD55 (920 PS) und einem
368-kW-Viertakt-Dieselmotor des Typs 6NVD444 (500 PS), der auch
zum Antrieb des 250-kW-Netzwindengenerators diente. Beide Motoren
stammten vom VEB Görlitzer Maschinenbau und arbeiteten über ein
Stirnradgetriebe mit Strömungskupplungen auf die Schraubenwelle.
Ferner waren ein 200-kW- und ein 98-kW-Dieselgeneratoraggregat
eingebaut.
Die Besatzung war in Ein- und Zwei-Bett-Kammern untergebracht.
Besonderheiten:
Die Trawler vom Typ III waren die ersten in der DDR, auf denen die
hochwertiges Eiweiß enthaltenden Beifänge und Fischabfälle sofort
zu Fischmehl verarbeitet werden konnten, welches in der
Landwirtschaft gern verwendet wurde.
Seit dem Typ II boten die Back und das höher gezogene sowie
leicht überdachte Schanzkleid auf der Backbordseite mehr Schutz vor
überkommender See in den Fanggebieten, wo meist schlechtes Wetter
vorherrschte.
Diese "Gera" war bis 1990 schon zu DDR-Zeiten ein
besonderes Fischereischiff, da die anderen vier Seitentrawler vom Typ
III bereits bis spätestens 1983 abgestoßen worden waren.
Das Schiff ist heute der letzte in Deutschland erhalten gebliebene
Seitenfänger.
Havarien/Schiffsverluste:
Unbekannt/keine
Fotos:
ROS-223 "Gera" im Fischereihafen in Bremerhaven Fotos: 2010 N.Schmidt, Písek / www.seeleute-rostock.de