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Kühlschiffe 1966

Reeder & Manager: DSR Rostock | Heimathafen: Rostock

Die zwei ersten Kühlschiffneubauten für die DSR von 1966

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Kühlschiff THEODOR STORM im Hafen
Foto: DSR-Archiv/-Ansichtskarte | Repro: ABa, Hamburg
Mit diesen zwei Kühlmotorschiffen kamen zwei neue, nach damaligen Ansichten recht moderne Schiffe in die Flotte des VEB Deutsche Seereederei Rostock (DSR). Sie waren die ersten zeitgemäß ausgerüsteten Schiffe mit Anlagen für eine Teilautomatisierung der Maschine und der Kühlanlage, die die Besatzungen vor neue Probleme stellten, selbst aber auch noch nicht ganz störungsfrei liefen.
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Seitenriss nach (1) | Repro: ABa, Hamburg
Hauptdaten
Schiffstyp Kühlmotorschiff
Klassifizierung dsrk-zeichen.gif   KM Ice 4
dsrk-zeichen.gif   KM Ice 4 AUT 24 Kühlschiff (ab 1976)
Bauwerft J. Boels et Fils, Tamise/Belgien (Boel & Zonen, Temse)
Vermessung   5.183 BRT "Theodor Storm"
  4.979 BRT "Theodor Fontane"
Tragfähigkeit   4.575 tdw
Ladegewicht   3.200 t
Leergewicht   4.000 t (Gewicht des leeren, betriebsklaren Schiffs)
Eigenversorgung   1.737 t (Treibstoffe, Schmieröl, Frischwasser)
Verdrängung   8.857 t
Reichweite 16.500 sm
Länge über alles 135,00 m
Länge zw. d. Loten 124,00 m
Breite   17,80 m
Tiefgang     6,25 m (max. Bananenladung und betriebsklar)
Höhe bis Hauptdeck   11,40 m
Laderäume/Luken 4/4 + 8 Seitenpforten ("shell doors")
Lukenabdeckungen MacGREGOR "single pull" isoliert (Schutzdeck)
Laderaumvolumen   8.585 m³
Laderaumkühltemp. +12° C bis -20° C
Kühlmaschine/-mittel/
-kapazität/-prinzip
LEBRUN 3x PO-300 und 1x PO-150 / Freon 12 /
708.000 kcal/h / Sole-Kühlsystem m. Lüftung
Umschlageinrichtungen 8x 5 t Ladebäume + 8x 5 t Ladewinden
Antriebsmaschine K9Z70/120D, ACEC Ghent in MAN-Lizenz
(2T-9Z-Diesel, einfachwirkend, umsteuerbar)
Kolbenhub/-durchm. 700 mm / 1.200 mm
Antriebsleistung 10.400 PSe (7.650 kW) bei 135 min-1
Festpropeller 4,8 m Ø, 4 Flügel, rechtsdrehend
Dienstgeschwindigkeit 20,5 kn
Stromerzeugung 4 Dieselgeneratorsätze 8NVD36A an SSED639-12
von SKL Magdeburg
Leistung 4x 460 kVA + 1 Notstromaggregat 4 kW
Bordnetz Drehstrom 380 V 50 Hz
Ruderanlage 1 elektro-hydraulische Rudermaschine an
1 Spaten-Ruder
Besatzungsstärke 47 Personen + 3 Reserve
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MS THEODOR STORM, an die SALÉN-Reederei Stockholm verchartert - ein Kapitänsbild von Olaf Rahardt
Gemälde/Sammlung/Repro: Marinemaler Olaf Rahardt, Rudolstadt in Thüringen
www.marinemaler-olaf-rahardt.de fremdlink.gif
Diese zwei Kühlschiffe der DSR:
Schiffsname Registriernr. Baunr.
/ Baujahr
Rufzeichen
bis/ab 1980
I.D. A.D. Verbleib (an)
THEODOR STORM IMO 6612130 1433 / 1966 DDWP / Y5DP 30.09.1966 08.11.1990 Incom Ltd., London
THEODOR FONTANE IMO 6617702 1434 / 1966 DDWO / Y5DO 13.12.1966 19.09.1990 Full Moon Shp., PAN
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MS "Theodor Fontane" in Nuevitas/Cuba (Ein hoher Besuch war avisiert.)
Ein Foto von Kpt. Norbert Schmidt, Písek, auch veröffentlicht in (3)
slr-reefer-1966-frontvu.gifDie Einschrauben-Motorschiffe mit Wulstbug, kurzer "abgesenkter" Back, mittschiffs angeordnetem Maschinenraum, darüber liegenden Aufbauten und mit abgerundetem Spiegelheck waren offene Schutzdecker. Der auf einem Querspantensystem voll verschweißte Schiffsrumpf war durch sechs wasserdichte Schotten in sieben Abschnitte unterteilt. Je zwei Laderäume lagen vor und hinter dem Maschinenraum, die vorderen besaßen drei Zwischendecks und die achteren zwei. Die Be- und Entladung erfolgte über die vier Ladeluken oder über die acht Seitenpforten.
Die 17 Einfach- und 15 Doppelkammern sowie eine Dreifachkammer, das Hospital, die zwei Messen und der Salon waren klimatisiert. Betriebsräume waren elektrisch beheizt. Für die Laderäume und den Maschinenraum stand eine CO2-Feuerlöschanlage zur Verfügung, sowie für die Decks, die Aufbauten und ebenfalls den Maschinenraum eine Löschwasseranlage. Das Motorrettungsboot und das einfache Rettungsboot konnten je 53 Personen aufnehmen, und zwei Rettungsflöße je 15.
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Kühlschiff THEODOR FONTANE im Mai 1987 im NOK
Foto/Sammlung: Norbert Pilz, Kronshagen / Mit freundlicher Genehmigung | Repro: ABa, Hamburg
Besonderheiten:
  • Mit den in Belgien gebauten Kühlschiffen THEODOR STORM und THEODOR FONTANE kamen 1966 die ersten teilautomatisierten Schiffe in die DSR-Flotte und leiteten neben anderen Faktoren eine nicht mehr aufzuhaltende Entwicklung ein. Die erste Reise mit zeitweilig unbesetztem Maschinenraum begann am 29.9.1967 in Yokohama mit Ziel Guayaquil.
  • "Theodor Storm" war oftmals in Zeitcharter beschäftigt. Siehe unten dazu mehr.
  • Auch das FiKo Rostock charterte "Theodor Storm", bevor eigene Kühl- und Transportschiffe zur Verfügung standen.
  • Bordwandbeschriftung 1970 bis 1974: DEUTFRACHT-REEFER-SERVICE (zeitweilig)
  • Bordwandbeschriftung 1974 bis 1990: DSR-REEFER-SERVICE (zeitweilig)
Gemeinsame Flaggenwechsel:
  • 01.01.1970 an VEB DEUTFRACHT - Internationale Befrachtung und Reederei Rostock
  • 01.01.1974 an VEB DEUTFRACHT/SEEREEDEREI ROSTOCK (DSR)
  • 18.06.1990 kurz noch an Deutsche Seereederei Rostock GmbH
Havarien:
  • nicht bekannt
Schiffsverluste:
  • keine
Stories/Fotos:

Charterfahrten mit Kühlschiffen

Kpt. Norbert Schmidt, Písek

Tatsächlich war die THEODOR STORM von 1966 bis 1968 in einer 2-Jahres-Charter bei der dänischen Reederei LAURITZEN (JL) unter Vertrag und führte auch deren Schornsteinmarke JL (siehe Detlefsen BAND 23 DSR (?)). Lauritzen muss dann im Jahre 1967 zeitweilig das Schiff an die schwedische SALÉN-Reederei weiterverchartert haben, denn es gibt ein Foto der STORM in Hobart, Tasmanien, liegend mit den SALÉN-Insignien am Schornstein. Ein zweites Foto der STORM mit SALÉN-Schornstein von 1967 existiert ebenfalls. Es hieß damals, die STORM hätte als erstes DSR-Schiff während ihrer damaligen Charterfahrten die Welt umrundet. (Richtig, siehe nächste Wortmeldung.)

Eine solche Variante der Weitervercharterung von Charterschiffen ist in der Charterfahrt üblich und ist dann für den Kapitän recht ungünstig, denn er hat plötzlich mehrere Dienstherren, die nicht immer gleichlautende Orders geben. Wenn dann noch unvorhergesehene Maschinenausfälle, Schiffsbewuchs oder Ladungsschäden eintreten, dann gibt es ein mächtiges Hin und Her wegen der Bezahlungen der Ausfallzeiten, Reparaturen und sonstiger Mehrkosten. Das alles fällt zusätzlich zu den erhöhten Anstrengungen der Besatzung für das Wiedererreichen eines normalen Schiffsbetriebes an.

Charterfahrten mit Kühlschiffen sind für die Besatzungen sehr arbeitsintensiv. Es sind ja meistens leichtverderbliche Lebensmittel zu transportieren und dementsprechend hoch sind die Anforderungen bezüglich Sauberkeit, Hygiene und Zuverlässigkeit des Schiffsbetriebes. Die Laderäume müssen gut gesäubert, desinfiziert und vorgekühlt zur Ladungsaufnahme angedient werden und müssen von vereidigten Gutachtern inspiziert worden sein. Das auszustellende Zertifikat dieser Gutachter darf keinerlei Mängel ausweisen und ist Voraussetzung für den Beginn einer Ladungsübernahme. Diese Ladungsfürsorge setzt sich täglich fort bis das Kühlgut im Bestimmungshafen von Bord geht. Danach fängt dieser Kreislauf wieder von vorne an und beginnt schon im Löschhafen.

Die STORM wechselte wohl von der Indienststellung bis (1972, s.u.) von einer Charter in die nächste.

MS "Theodor Storm" 1967-68

Gerd Robbe, Kühlungsborn, 3.7.2012/28.11.2020

Ich war als Vollmatrose bei der Übernahme des MS "Theodor Storm" 1967 abschließend der Garantiereparatur in Temse in Belgien dabei (nach der Überfahrt von Rostock nach Antwerpen mit MS "Saale" (s. Ankaufschiffe#16) und weiter mit dem Zug). Kapitän war Siegfried St. und 1. Offizier Gottfried H.

Wir waren einige Monate in Charter für SALÉN, Schweden. Auf der ersten Reise nach Guayaquil in Ecuador fuhr die "Storm" als erstes DSR-Schiff durch den Panamakanal, wo erst mich der an die DSR in Rostock adressierte Brief meiner Familie mit einer traurigen Nachricht erreichte. Es folgten mehrere Reisen von Guayaquil nach Japan. Im Frühjahr 1968 mit dem Bestimmungsland Italien über Somalia, Kapstadt, Algier fuhr die "Storm" als erstes DSR-Schiff einmal rund um die Welt. Drei Seeleute, darunter ich, stiegen jedoch zuvor in Algier ab. Da das Flugzeug der DDR-Interflug gerade abgeflogen war (wir kamen in Algier auf Reede erst kurz darauf an), und das nächste eine Woche später fliegen sollte, hatten wir viel Zeit Algier kennenzulernen. Die "Storm" fuhr noch weiter in der Charter.

Ein herausragendes Erlebnis war auch, dass ich im November 1967 in den hawaiianischen Gewässern "ausgeschifft" wurde. Grund: Blinddarmentzündung! Die Operation im Queen's Hospital (gegründet 1859) verlief glücklich, und ich lernte dort zwei Deutsche kennen. Dr. Gernot Sp., Arzt im Hospital, schaffte es (ich war ja DDR-Bürger, die in den USA gewissen Einschränkungen unterlagen), mir die Insel O'ahu etwas zu zeigen. Honolulu befindet sich auf dieser Insel. Nach der Genesung wurde ich nach Tokio geflogen und mit einem Auto des Agenten nach Kobe gefahren, wo kurz darauf mein Schiff ankam.

Nachzulesen in den Quellen (5), hier online, und (6), ab Seite 155, untermalt mit farbigen Fotos:
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Motive aus Hawaii und Japan | Ansicht: von (6), Seiten 162 und 163 | Foto: ABa, Hamburg, 2020


Foto: unbekannt | Repro: Volkmar Gagalon, Rostock | Finishing: ABa, Hamburg

Mit MS THEODOR STORM rund um die Welt

Volkmar Gagalon, Rostock

Die THEODOR STORM fuhr für verschiedene Charterer, unter anderem auch für die schwedische SALÉN-Reederei. Die letzte SALÉN-Reise 1972 habe ich selbst mitgemacht. Es ging auf dieser Reise wieder rund um die Welt. Über diese Fahrt haben Heinz Liebscher und ich für "Bordgeschichten" den Bericht "Mit MS THEODOR STORM rund um die Welt"geschrieben, der im Heft V veröffentlicht wurde und aus dem alles Wesentliche über die Weltumseglung hervorgeht.

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Fotos/Repro: Volkmar Gagalon, Rostock

Auch FONTANE auf Weltumrundung

FO Siegmar Broßat, Mittweida

THEODOR FONTANE unter SALÉN-Charter - 1972 Rostock - Ecuador - vier Löschhäfen in Japan - neue Ladung in Somalia - Durban (bzw. Kapstadt, habs vergessen) zur Bebunkerung - Neapel zum Löschen - Ecuador zum Laden - Rostock. Reisedauer vier Monate.

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Kühlschiff THEODOR STORM am 21. März 1989 im NOK (Holtenau)
Foto/Sammlung: Norbert Pilz, Kronshagen / Mit freundlicher Genehmigung | Repro: ABa, Hamburg
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Kühlschiff THEODOR FONTANE am 1.3.1990 im NOK
Foto/Sammlung: Norbert Pilz, Kronshagen / Mit freundlicher Genehmigung | Repro: ABa, Hamburg
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Foto/Sammlung: Arne Sognnes, Bergen/Norwegen | Mit freundlicher Genehmigung
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Von Erlebnissen an Bord:
Die Schiffe als Nach- bzw. Abbildungen:
Zum Verbleib dieser zwei Kühlschiffe:
  • 1966 THEODOR STORM - 1990 nach Verkauf nach Alang/Indien zum Abbruch
  • 1966 THEODOR FONTANE - 1990 RAVEN - 1992 nach Alang/Indien zum Abbruch
Quellen: (1) "Catalogue of Ship's Types", Deutfracht/Seereederei Rostock, 1979
(2) "Deutsche Reedereien, Band 23, DSR", AK, Verlag G.U.D., B. Segeberg, 2004
(3) "DSR - Deutsche Seereederei Rostock", Götz/Wenzel, Koehler Hamburg, 2004
(4) Wortmeldungen von Seefahrern auf diesen Kühlschiffen
(5) Seeleute - Dokumentieren - Automation an Bord, 2019
(6) "Jahrbuch der Schiffahrt 1972", transpress, Verlag für Verkehrswesen, Berlin
Abbildungen: Herkunft oben jeweils angegeben
Fotoshow mit Shadowbox, © 2007-2010 M.J.I. Jackson
Herzlichen Dank an alle Beteiligten für eure Zuarbeiten!
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"Kühlschiffe 1966": Seeleute Rostock e.V., 2011/Feb. 2013

   

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