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Friedrich Seibicke, Altenburg

Genial daneben

Februar 2005


Aus dem Logbuch des Barons Pützhausen

Bei wissen(schaf)tlichen Recherchen in der Deutschen Bücherhalle zu Leipzig wurde kürzlich entdeckt, dass der Baron Pützhausen alle Märchen, die er einst zusammenlog und -log, in sein Logbuch eingetragen hatte. Viele seiner Schnurren sind jedoch über die Jahrhunderte den sich wandelnden Werten der Zensur zum Opfer gefallen, so auch jene delikaten Schwänke von der Schweißlatte im Mannloch und der kleinen Lenzpumpe auf der Nagelbank. Aber eine hatte sich über die Zeiten erhalten:

Das Fest der Arbeitstiere

Es begab sich vor langer Zeit nahe eines kleinen Dorfes inmitten einer idyllischen Hügellandschaft im Königreiche der Kaffee-Sachsen. Hier trafen sich bei einem Fest der Arbeitstiere ein Eisbär und ein Kombüsenhengst. "Na, du alter Jockel", machte sich einer der beiden vor Wiedersehensfreude quer über's Gelände brüllenden Vierziger in der heiteren Runde bemerkbar. "He, du fetter Kraftsack", posaunte der andere. Der Eisbär hatte seinem Kumpan früherer Zeiten ein großes Takelpäckchen voller Süßigkeiten mitgebracht.

Alle in die Jahre gekommenen Teilnehmer hatten sich herausgeputzt. Eine Messemieze mit einem langen Schwanenhals trug ein Schanzkleid nach der neuesten Mode aus lichtem grau-blauen Webleinen, und ein Bilgenkrebs, auch Blauer Peter genannt, hatte sich in einen khakifarbenen Windsack aus feinstem Schiemannsgarn geworfen. Selbst der Kombüsenhengst hatte sich mit einer karierten Wellenhose und teuren Stevenschuhen vom Deichgraf herausgeputzt.

Durch die mit Signalflaggen geschmückte Wasserpforte trafen immer mehr Gäste ein, die der Unterzug herangebracht hatte. Alle wurden mit einer herzlichen Schlagpütz begrüßt. Die emsigen Festmacher hatten sich wirklich alle Mühe gegeben. Das bunte Treiben wurde mit einem Signal aus der Windhutze eröffnet, und die meisten begannen die Verschlussrolle an ihrer Back aufzureißen, um sich zu stärken. Vor allem das in Fett knusprig gebratene Kabelgatt-Filet aus der Ostsee schmeckte lecker.

Oben im Baum hing ein großes, rundes Krähennest. Von dort schiss ein zugeflogener schwarzer Rostocker Greif dem Eisbär genau auf seinen Rattenteller mit dem Zimmermannsstek. Aber für Ersatz war gesorgt, ein fettes Kielschwein drehte sich bereits über dem lodernden Festfeuer. Als Kulturprogramm bliesen drei äußerst leicht bekleidete blutjunge Sextanten einen flotten Flötentörn vom Lümmellager herunter. Diesem Wohlklange lauschend hätte mancher sich gerne im Grase niedergelassen, aber das war vom Strecktau völlig durchnässt. Plötzlich begann es im Freiraum auch noch an zu regnen, so wie es die Schauerleute vorhergesagt hatten, und als bei allen Besuchern die Außenhaut völlig durchnässt war, begab sich die Gesellschaft ins Lukenzelt. Hier hatten die Ladebaumlümmel von der real existierenden Zirkustruppe "Die Schiffs-Ratten", kurz D.S.R. genannt, ihren großen Auftritt, als sie sich an einer Sorgleine die Jakobsleiter bis auf den Boden der Tatsachen herunterließen. Doch, oh Schreck, einer verhedderte sich mit seinem Knieblech und fiel den Kofferdamm hindurch bis in den Wellentunnel.

Wie auf solch ausgelassenen Feiern üblich, wurde ganz fürchterlich gelenzt. Vor allem 40%iges Kielwasser aus einer Holsteiner Schnaps- und Bierlast, das der tierischen Party angemessen den seltsamen Namen "Schweineblattigel" trug, wurde reihum aus einem großen Hahnepot hintergegossen. Die Beiholer wurden immer wieder losgeschickt, um Nachschub ranzuschaffen.

Der Eisbär, der geile Wellenbock, wollte der Messemieze, die verführerisch mit dem Achtersteven wackelte, auf dem sie sich in großen Lettern "Rostock" hatte tätowieren lassen, allzu gerne an den Sliphaken, aber in seiner Hosenboje war durch den Alkohol nur noch Totholz. Am Ende kam es natürlich zum Streit, als sich die Gäste als "doofe Kettennuss" und "blödes Sinkgewicht" zu titulieren begannen. Vor allem der Eisbär zeigte sich dabei von seiner besten Schlagseite.

Der Kombüsenhengst entzog sich mit einer Musterrolle allen halben Schlägen. Mehr im Niedergang als aufrecht gehend traf er bald darauf vor seiner heimischen Stückpforte ein. Er war sich wie ein Klappläufer bei seinem beschwerlichen Wechselgang vorgekommen, da halfen noch nicht mal die Wantenspanner. Außerdem drückte es ihm ganz fürchterlich mittschiffs. Weil er nicht gleich den Schalter für die Topplaterne fand, wäre die Sache fast in die Plünnen gegangen. Endlich konnte er erschöpft niedersinken. Vorsichtshalber stellte er noch das Speigatt vor die Koje. Dann zog er sich den blau-rot-blau gestreiften Volldecker bis über beide Ohren und schlummerte dem nächsten Morgen entgegen. Das Fest der Arbeitstiere, es war einmal.


Herzlichen Dank an Friedrich für sein fröhliches Wortspiel!


"Genial daneben": Seeleute Rostock e.V., Oktober 2015

   

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  28.10.2015  
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