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Rolf Beckert, Chemnitz

Sagua la Grande

Besichtigung einer Zuckerfabrik auf Kuba

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Unser Schiff, die THEODOR KÖRNER (1) (vgl. Lehrfrachter - HeineKörner), liegt im Hafen von Isabela de Sagua auf Kuba. Wir schreiben das Jahr 1967 und laden Zucker für Rostock.

Liebe Leute, der Zucker, den wir in Isabela luden und mit nach Rostock nahmen, kam nicht aus dieser Fabrik, die wir besichtigen wollten. Denn dort wurde lediglich Rohzucker hergestellt. Die Besichtigung der Zuckerfabrik von Sagua la Grande wurde uns vom Makler vermittelt.

slr-1967-SaguaLaGrande-rb3596.jpgZu einer vereinbarten Zeit, nachmittags, sollten wir abgeholt werden. Unsere Gruppe von dreißig Mann hielt sich am Hafentor bereit. Anstelle der bestellten und versprochenen Busse kam ein offener Laster. Die Hälfte unserer Leute musste stehen. Da uns, wir waren ja Seeleute, das Schaukeln und Springen des Wagens und auch die Zugluft nichts anhaben konnte, war es eben eine schöne Fahrt durch kubanische Landschaften. (Ganz so lustig empfanden wir das allerdings nicht.) Vorbei an Gehöften, Plantagen, Ochsenfuhrwerken, Cowboys und verfallenen Friedhöfen.
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Unser Transport im offenen LKW entsprach etwa einer vorort üblichen Fahrt zu den Zuckerrohrfeldern. Den hohen Schornstein der Zuckerfabrik sahen wir schon in der Ferne.

Im Städtchen Sagua la Grande begrüßten uns die Leute mit "Alemán" und "Towarischtsch". Auch hier bettelten uns die Kinder an wegen Kaugummi (Chicle, chicle!) und Zigaretten (Cigarettes, cigarettes!).

slr-1967-SaguaLaGrande-rb3676.jpgDann kamen wir zur Zuckerfabrik, wo mit Spezialtransportern der Eisenbahn, mit Ochsenkarren oder mit LKW das Zuckerrohr angeliefert wurde. Die Spezialwagen fuhren auf eine Kippvorrichtung und ließen ihre Ladung in eine Grube rutschen. Von dort brachte eine Fördereinrichtung das Zuckerrohr in das Fabrikinnere. Ich hatte den Eindruck, in einem voll betriebenen technischen Museum zu stehen. Riesige Anlagen, von Dampfmaschinen getrieben, vollführten einen Kampf mit dem Zuckerrohr. Das Baujahr dieser Fabrik soll 1911 gewesen sein.

Unser Führer war ein Betriebsmeister. Seine knappen Erklärungen gab er dem Fahrer unseres Lasters auf Spanisch. Dieser übersetzte ins Englische. Da er (der Fahrer) aber von der Zuckerherstellung keine Ahnung hatte, reimte er sich bisschen was zusammen. Das Englische übersetzte nun jemand ins Deutsche, und dabei kam das heraus, was sich bereits vorher jeder denken konnte. Ein Beispiel: Wir stehen vor den Dampfkesseln, unser Führer sagt: "Das ist die Speisewasserpumpe für die Kessel". Der Fahrer sagt: "Das ist die Pumpe für den Kessel". Der Dolmetscher: "Das muss irgendwie eine Pumpe sein". Die Umstehenden nickten und gingen weiter zur nächsten Station.

In riesigen Behältern kochte Sirup. Hier in Sagua wird aber nur Rohzucker hergestellt. Dieser ist grob und sieht braun aus. Weißzucker kommt später aus einer Raffinerie, wo Rohzucker zu Weißzucker weiterverarbeitet wird. Dieser Rohzucker ist sehr feucht. Wenn ein Schiff diesen Zucker als Schüttgut transportiert, dann duftet das ganze Schiff wie nach slr-1967-SaguaLaGrande-rb3696.jpgRum. Dieser wird nämlich aus Zuckerrohr gemacht.
Das ausgepresste, ausgelaugte Stroh des Zuckerrohres dient als Heizmaterial für die Kessel. Jede Feuerstelle der Kessel hat ein Gebläse, mit dem das gehäckselte Zuckerrohr-Stroh in den Brennraum geblasen wird.

Die Rückfahrt nach Isabela de Sagua brachte uns tropischen Sonnenschein und tropischen Regen im Wechsel. Es war eine sehr interessante Sache, diese altertümliche Zuckerfabrik zu besuchen. Doch unsere einstimmige Meinung war:

"Nächstes Mal besichtigen wir eine Brauerei!!"

Besten Dank an Rolf Beckert für den Zucker auf unserer Homepage.


Fotos: Rolf Beckert, Chemnitz


"Sagua la Grande": Seeleute Rostock e.V., Februar 2012

   

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  06.01.2015  
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