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Rolf Beckert, Chemnitz

Dat Fotolabor-Schapp steiht ünner Water!

Unser Kurztitel im Internet: Abgesoffenes Fotolabor!


Der Timming spricht mich an: "Du, Keeper, ut dien Fotolabor-Schapp kümmt ehn Strull ut dat Slötellock. Möt dat so sien?" - Natürlich "möt" das nicht so sein. Was ist da nur los, Wasser aus dem Schlüsselloch? Oh, das sieht nicht gut aus.

Vielleicht sage ich meinen verehrten Lesern, was ein Fotolabor an Bord eines Schiffes ist, und wieso da so viel Wasser drinnen steht, dass es als Strahl aus dem Schlüsselloch herauskommt. Also, wo das Wasser herkommt, es läuft ja immer noch, muss erst geklärt werden. Nee, zum viel Erzählen ist jetzt keine Zeit.

"Komm, Timming, das sehen wir uns einmal an." Timming ist der Zimmermann an Bord, oft heißt der Schiffszimmermann auch "Hanning". Ist nun mal so.

Tatsächlich, das Schott des Fotolabors war absolut dicht. Verriegelt durch Vorreiber. Das Bullauge im Schott ist auch dicht. Nur eben aus dem Schlüsselloch kam ein Strahl Wasser. Wie hoch mag das Wasser im Inneren stehen? Was nun? Das Türschloss aufzuschließen wird wohl gehen, aber wenn wir die Vorreiber öffnen?. Uns wird es nicht über Bord spülen, da passen wir schon auf. Aber vielleicht bringt die Woge aus dem Labor die ganze Inneneinrichtung mit, und alles geht nach draußen.

Na ja, so überaus gefährlich war unser Vorhaben nun auch wieder nicht. Wir entriegelten die Vorreiber nur so weit, dass sich das Schott leicht aus der Gummidichtung löste, um etwas Wasser abfließen zu lassen. Das Fotolabor konnte jetzt "Entwässern". Der letzte Schwall konnte abfließen.

Ein Schott auf einem Schiff, also eines, das nach außen an Deck geht, hat eine sehr hohe Türschwelle. Es ist keine solche, wie man sie von zu Hause kennt. So ein Schott hat die Türschwelle etwa in Kniehöhe.

Ei, da schwimmt eine Entwicklerdose. Immer wenn das Schiff krängt, kommt ein neuer Schwapp. Zum Glück ist auf einem Schiff fast alles angeschraubt. Ein paar leere Flaschen plätschern noch in den Fluten. Toi, toi, das Wasser reichte lediglich hoch bis zur Tischplatte. Der Filmtrockenschrank war abgesoffen. Ob das Gebläse noch funktioniert, wird erst geprüft, wenn alles trocken ist. Das Vergrößerungsgerät und andere Laborgeräte, etwa die Fotoschere und die Trockenpresse, haben nichts abbekommen. Abgesehen von der sehr feuchten Luft im Schapp, aber die Luft ist auf See immer feucht. Etwas Fotopapier war verloren. Schade.

Das Wasser steht weiterhin knietief. Die Ursache für die Überschwemmung haben wir noch nicht gefunden. Ehrlich, wir haben noch nicht danach gesucht. Mit einem Schlauch lassen wir das Wasser nach Außenbord ablaufen. Erst jetzt war deutlich zu hören, dass in einem Schrank Wasser aus einer Rohrleitung zischt.

Ich will Euch nicht länger auf die Folter spannen. Ein eingefrorenes Wasserrohr war geplatzt, und nun, da wir wieder in Richtung Süden fahren, konnte das Rohr auftauen und unbemerkt auslaufen. War ein ganz dummer Zufall.

Zuvor ging unser Törn von Japan nach Korea. Es wurde schlagartig eisig kalt. Das Schiff an sich war natürlich auf Winter eingestellt. Was nicht klappte, und aus Zeitdruck auch nicht mehr zu packen war, war die Beheizung des Achterschiffes. Na klar müsste jetzt, da die Heizung nicht geht, das Wasser für das Fotolabor abgestellt werden. Aber glaubt es mir, diese unmögliche, unerwartete Kälte brachte noch zig andere Probleme gleichzeitig. Da hat eben das Fotolabor was abbekommen,  ihr habt es ja gelesen.

"Water ut dat Slötellock möt nich sien." Auf der WERNER SEELENBINDER 1968.


Lokation des Fotolabors auf einem Typ X-Schiff (vgl. Typ-X):
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Die Typ-X-Schiffe hatten achtern ein Deckshäuschen. Auf der SEELENBINDER war es ein richtiges Winschenhaus mit zwei Wippkränen drauf. Die Grafik, ein Ausschnitt von der SCHNELLER aus dem "Jahrbuch der Schiffahrt 1965", zeigt es. Siehe auf diesem Bild den Bezeichner 39 - links daneben ist das Fotolabor. Weitere Räume waren Wäscherei, Wäschelast, Stores (Putzlappen usw.) und Räume für den E-Mix.

Eine wichtige Arbeit aus eben diesem Fotolabor:
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Das Foto zeigt einen abgestürzten Kran der SEELENBINDER. Rolf machte die Beweisfotos für die Schiffsführung. So geschehen 1968 in Wakamatsu/Japan. Im Hintergrund ist die Wakato-Bridge auszumachen. Siehe auch Quer durch Wakamatsu.

Herzlichen Dank an Rolf für seine damals für ihn gewichtige und nunmehr lustige Begebenheit!


Grafik: DSR-Archiv/Schiffstypenkatalog/"Jahrbuch der Schiffahrt" 1965
Foto: Rolf Beckert, Chemnitz, 1968


"Abgesoffenes Fotolabor!": Seeleute Rostock e.V., Januar 2011

   

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  06.01.2015  
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