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Andreas Basedow, Hamburg

Der SANYO-Effekt


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Rechnung aus Kuwait
Auf dem MT BUNA (1) (vgl. Tanker - Ankäufe) verguckte ich mich 1975 bei einem Kollegen in einen Radiorekorder von SANYO, den ich selbst nur zu gerne haben wollte. Am Ende des Auftrags der BUNA im Persischen Golf waren wir in Kuwait, um den Schlorren mal wieder so richtig seefest machen zu lassen. Das bot natürlich die Gelegenheit, nach "meinem" SANYO auf die Pirsch zu gehen. Lange Zeit wurde ich nicht fündig, aber in einem Laden entdeckte ich ihn endlich - weit oben auf dem höchsten Regal! Er sah schon etwas eingestaubt aus, aber meinem getrübten Blick bot das kein Hindernis. Und somit hatte mich der Händler natürlich gleich durchschaut - es half kein Feilschen - ich blätterte also den vollen Preis hin.

Hundert Meter weiter erreichten wir dann doch noch einen SANYO-Shop... Der Verkäufer dort lächelte freundlich und meinte, dass ich bei ihm das Nachfolgegerät für billiger hätte kriegen können. Na und? Das sah lange nicht so gut aus wie meines mit diesen großen Käselöchern vor dem Lautsprecher!
(Beliebtes 1970er Design: Der "Military Look")

Im Laufe der Jahre hatte ich großen Spaß mit meiner Musikmaschine von SANYO, selbst lange noch nach meiner Seefahrtszeit. Und nicht nur das, sogar woanders verrichtete er zwischenzeitlich souverän seine Dienste.

Nachdem mein SANYO so Mitte der 1980er Jahre zu mir zurückkam, wollte ich ihn wieder mal so richtig in Schwung bringen. Aber wie bewerkstelligte man das, wenn in der DDR keine passenden Ersatzteile erhältlich waren? Ich erinnerte mich an einen Seefahrtskollegen, der mir einst erzählte, dass er seine Wünsche per Post erfüllen konnte ...

Also setzte ich mich an die Back und schrieb im Oktober 1987 einen deutschsprachigen Brief direkt an SANYO in Japan:
Sehr geehrte Herren der SANYO ELECTRIC CO.
Gestatten Sie mir höflichst, mich heute mit einer Bitte an Sie zu wenden.
1975 kaufte ich mir in Al Kuwait als ehemaliger Seemann der DDR-Handelsflotte einen Radio-Recorder des Typs M 2430 F Ihrer von mir hochgeschätzten Firma.
Weil ich gerne an meine Zeit als Seemann zurückdenke, möchte ich dieses Gerät betriebsfähig erhalten. Darum überhole ich zur Zeit das Kassettenlaufwerk und musste feststellen, dass der Gummitreibriemen verschlissen ist. Geräte dieses Typs wurden in unserer Republik nicht gehandelt, so dass ich auch keine Ersatzteile dafür bekommen kann.
Hier nun meine Bitte. Wäre es Ihnen möglich, mir einen Gummitreibriemen sowie einen Stromlaufplan für meinen Radio-Recorder zu übersenden?
Ich würde mich sehr freuen! Und ich bin Ihnen dankbar für jede frohe Stunde mit musikalischer Unterhaltung durch das Gerät Ihrer Firma.
Hochachtungsvoll!
A.B.
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Postsendung aus der Schweiz
Unglaublich, doch es klappte tatsächlich! Im November 1987 erhielt ich eine offene und natürlich vom Zoll überprüfte Sendung von SANYO aus der Schweiz, alle meine Wünsche erfüllend, und sogar noch mehr!
SANYO schickte mir einen Gummi-Treibriemen und eine komplette Service-Anleitung für mein Gerät. Darüber hinaus erhielt ich sogar die Bedienungsanleitung für den Typen M 2440x, weil diese Deutsch enthält. Und ich meine, eine neue Andruckrolle war wohl auch noch dabei!
Mit diesem hervorragenden, die Welt umspannenden Service konnte ich meinen Radiorekorder wieder bestens in Fahrt bringen!
M2430servman.jpg M2440operman.jpg
recorderansicht.jpg
Der Radiorecorder
An dieser Stelle möchte ich der SANYO Corporation und allen weiteren beteiligten Seiten noch einmal meinen herzlichen Dank übermitteln! Der Radio-Recorder ist nach wie vor am Leben und hatte mich zuletzt auf einem Außeneinsatz getreu unterhalten.

Als ich kürzlich mir noch unbekannte Dokumentarfilme über die DSR aus den frühen 1980er Jahren digitalisierte, verfolgte ich am Bildschirm auch Bilder aus SANYO-Produktionsstätten, das Verladen von Containern in Japan und ein Interview mit Mr. Emo Kamuro, dem damaligen Vize-Präsidenten der SANYO ELECTRIC TRADING Co. Ltd., Osaka, Japan. Dabei musste ich wieder an diese meine Geschichte denken ...

Plötzlich kam der Aha-Effekt: Die DSR und SANYO unterhielten damals also sehr gute Geschäftsbeziehungen!!!  Na, dann konnte und durfte doch nichts schiefgehen. :-))
slr-sanyo&dsr.jpgAbschließend ein offizieller Beleg der Kooperation im Bild:

Für Güter, die einer besonderen Verwahrung [bedürfen], setzen wir Fachleute mit Erfahrung ein.


Abbildungen: ABa (3 g.o.) und aus "DSR-LINES - Damit Ihr Frachtgut nicht ins Wasser fällt ...",
VEB Deutfracht/Seereederei Rostock, 1986 (o.)


"Der SANYO-Effekt": Seeleute Rostock e.V., März 2009

   

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  05.01.2015  
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