Seemannsgedichte aus Mansfeld

Sammlung: Detlef Traue, 2010

"Äquatoriales vom Typ IV"

"Der Beruf des Seemanns"

"Der Seemann - Urlaub, Alltag und mehr"

"Erinnerungen und Hoffnungen einer schönen Typ IV-Lady"

"Kulturniveau auf See"


Äquatoriales vom Typ IV

von Kapitän Reiner Gluch *
MS "Freundschaft" (vgl. Typ-IV)

Aus der Schule stammt die Lehre,
dass die Erde kug'lig wäre.
Quasi schwebt sie im All
wie ein kugelrunder Ball.
Seit der Menschheit Augbeginn
stand dem Menschen stets der Sinn,
stetig hin und her zu wandern,
zu besuchen einen andern.
Punkt, der anders ist geraten,
und man schuf die Koordinaten
zu dem Zweck, dass man erkenne
jeden Punkt und ihn benenne.
Um den Mittelleib der Erde,
dass auch der bezeichnet werde,
pflegt man schon seit alten Tagen
einen Kreis herumzuschlagen,
der die Kugelhälften trennt,
welchen man Äquator nennt.

Eben dort durch Wasserwogen
kam ein Schiff einhergezogen.
Erst hat man das Typ IV beladen,
fern an nördlichen Gestaden,
eingestaut so manche Dinge,
dass es sie nach Süden bringe.

Nur der Aal, weil er so selten,
konnte sich bei uns nicht melden,
möglich, dass in and'ren Landen
reichlich er ist und vorhanden.
Als nun dieses abgeschlossen,
warf man los die Hafentrossen,
ließ die Kurbelwellen kreisen
und begab sich so auf Reisen.
Siebzehnmeilenstiefel an,
läuft das Schiff, so schnell es kann,
und es nähert sich geschwind
unabhängig von dem Wind
- es ist logisch zu begreifen -
jenem Kugeltrennungsstreifen.
Dort wohnt der greise Alte,
grauslich, gräulich, ungestalte
Herr vom nassen Element,
den man Meergott Neptun nennt.
Dieser pflegt zur Zollerhebung
und zur Bordalltagsbelebung
jedes Fahrzeug anzuhalten,
um als Herrschers Amt zu walten.
Nach bewährter alter Sitte
jeden aus Besatzungsmitte,
der die Linie nie durchlaufen
zu erkennen und zu taufen!

Bald erblickt man schon im Halten
Fahrtwind schlotternde Gestalten,
die die Auen nicht erheben,
deren Lippen zitternd beben.
Jene sind vom Schmutz beladen
und man muss sie erst mal baden!
Um das Bad nun zu bereiten,
spart man schon die Kostbarkeiten,
die beim Essen nicht verwendet,
weggeworfen, nicht verschwendet!
Diese pflegt man zu bewahren,
tief im Fass, damit sie garen!

Zu der Taufgesellschaftswonne
schaffte es die Tropensonne
tag's mit emsigen Bemüh'n,
dass daraus Miusmen ziehen,
welche Neptun lieblich dühnen.
Nach dem Bade kommt das Schminken,
da die armseligen Wichte
gar so blass in dem Gesichte.

Hurtig wird er angefasst
der bewährte alte Quast,
tief in einem Droms gesenkt,
gut mit Labsalöl getränkt
und mit schwungvoll schnellen frischen
Schwüngen ins Gesicht gestrichen.

Meergott Neptun das erhebt,
da es jeden Teint belebt!
Folgend der Kosmetikkur
kommt die innere Prozedur!
Wohlgewürzte, gute Sachen
stoppt man in des Täuflings Rachen!
Meergott Neptun ist gerührt,
wenn der Ärmste Durst verspürt!
Deshalb gibt man ihm zu trinken.
Aus dem Auge Tränen sinken,
weil der milde Labetrank
scharf gewürzt war und entsetzlich stank!!!

Plötzlich rufet Neptun: "Wehe",
Läuse hat der Kerl und Flöhe!
Das geht gegen meine Ehre.
Man ergreife eine Schere!
Lass die Locken, die da wallen,
schwinden und zu Boden fallen!
Da die große Tropenhitze
stets bewirkt, dass man auch schwitze,
lässt der Herr Erbarmen fühlen
und gestattet abzukühlen
jeden schweißgequälten Gauch.
Zu dem Zwecke dient ein Schlauch,
der sich über's Deck erstreckt,
aufgespannt ist und gereckt.

Auf dem Bauche, wie die Schlange,
geht es durch die schmale, lange,
enge, feuchte, hohle Gasse,
aus dem Trocknen in das Nasse.
Hinten schiebt ein Wassergruß,
vorne spürt man mit Genuss
wie das Strahlrohr Kühlung bringt
und es fühlt sich frohbeschwingt
jeder müde Täuflingsknochen,
wenn er endlich "durchgekrochen"!!!

Schließlich zu der Taufe Schluss
wird erbracht der Ehrfurchtskuss!
Schmackhaft, wonniglich und süße
scheinen einem Neptuns Füße!
Dann bekommt man seinen Namen
von den Paten, die da kamen!

Nun der Täufling wird entlassen
und er kann es noch nicht fassen,
dass er künftig
ungeschoren und vernünftig
reisen kann von Nord nach Süd,
wenn ihn seine Sehnsucht zieht
oder auch von Süd nach Nord,
Neptun gibt darauf sein Wort!!!
Als Beweis, und das ist richtig,
ist der Taufschein äußerst wichtig!!!

* Erschienen im Buch "Typ IV - Die legendären Frachter der DSR"
von Gerd Peters, 1998


Der Beruf des Seemanns

Auf einem Dampfer wird alles locker genommen,
nie wären wir sonst zur christlichen Seefahrt gekommen.
Gäb's nicht den Seemann, euch ging es nicht gut,
also trefft ihr einen, dann zieht schön den Hut.

Da gibt es zum Beispiel den Kapitän,
alle parieren, wenn sie ihn sehn!
Er ist nämlich an Bord der einzige Mann,
der ganz wirklich aber auch alles kann!
Allen anderen sagt er, was man tun soll,
ist das für 'nen Mann nicht einfach toll?

Danach kommt der Chiefmate, Kapitän wird er mal,
das dauert noch ein bisschen, das wird oft zur Qual.
Noch lange auf der Brücke 0-4-Wache gehen,
die Beförderung kommt noch, ihr werdet schon sehen.

Dann der zweite Nautiker die Chance ergreift
und ganz unbekümmert zum Ersten aufsteigt.
Überglücklich ist er im Augenblick,
überhaupt nicht böse über dies Missgeschick!

Auch der Dritte reit sich schnell ein in den Reigen,
will nun als Zweiter sein Können zeigen.
4-8-Wache heißt nun auf der Brücke die Devise,
nach den Anstrengungen der Wache hat er "runde Füße".

Der Vierte nicht ganz unbefangen,
sofort zum "Alten" ist gegangen:
"Es ist so Brauch in unseren Tagen,
auch ich möchte endlich den Kolbenring tragen".
Goldig und breit, damit alle ihn sehn,
und die Decksgang mit den Händen an der Hosennaht stehn!

Stolz trage ich 'nen goldenen schmalen Ring
- auch ohne Patent -
deshalb mich jeder voller Achtung Bootsmann nennt!
Ich bin Wortführer der Decksgang auf dem Meer,
nehme sie in Schutz gegen das Maschinenheer.

Auch ich trage einen goldenen schmalen Ring, sehr dezent,
ein jeder in der Maschine mich Storekeeper nennt.
In der Messe dem Bootsmann ich kontra gebe, sehr schnelle,
Deck und Maschine sich "ärgern" an dieser Stelle.
Abends aber auf der achtern Manöverstation
- das ist so hier -
da sind sie sich einig und trinken Bier!

Sie trinken es oftmals aber auch aus Dosen,
heißen deshalb aber nicht "Die Vollmatrosen"!
Voll sind sie mit Können und seemännischem Wissen,
zuverlässige Leute sind sie, wir könn'se nicht missen.

Auch einen Kühlmaschinisten gibt es an Bord,
Eisbär wird er genannt und ist immer fort.
Er beteuert immer: "Ich tue, was ich kann,
aber dauernd friere ich irgendwo an!".
Nicht so schlimm, die Kammern sind frisch,
Klimaanlage läuft - erst dann gibt es ein Bier auf den Tisch.

Tauwerk, Leinen, Trossen, sowie laufendes Gut,
Mensch, habt Acht, seid davor bloß auf der Hut.
Man kann sich so leicht darin verfangen,
ein Kabelgattsmatrose braucht sich davor nicht bangen.
Er "bändigt" das Zeug zu zahmen Schlangen,
danach ist er ganz matt
in seinem eigenen Kabelgatt!

Da kommt der Elektriker, E-mix genannt,
einen Holzkasten mit Birnen in der Hand.
Vergebens ringt er seine Hände,
die defekten Birnen nehmen kein Ende!
Heut hätte er auch keine Kontakte gefunden,
denn gestern Abend hat er sich beim Bier sehr geschunden!

Der Funkoffizier verzweifelt schier,
kann er doch nicht einfach ran ans Bier.
Überall auf der Welt muss er sich schinden,
um gute Kontakte nach Rostock zu finden!
Er ist unser Freund, mit Glück begabter Hand,
Verbindungen für uns nach Hause er immer fand.

Am frühen Morgen, wir brauchen nicht suchen,
wir haben's gerochen, der Bäcker macht Kuchen.
Den Lords wollte er gerne Rumtorte kredenzen,
aber wenn es geht, nicht so viel Rum "verschwenden".
Wir halfen mit unseren Flaschen nach,
die Besatzung fand's gut - der Kapitän machte Krach!

Ein Koch, der etwas auf sich hält,
fährt auf Hochseeschiffen durch die Welt.
An Bord lernt er auf Geschmäcker einzugehen,
in Warnemünde im "Boot" gibt's das heut noch zu sehn.
Schmackhaft und freundlich ist es dort,
Klaus Schwertfeger hält trefflich sein Wort!
So etwas lernt man eben auch an Bord!

Anfang der '60er Jahre - da wurde es fein -
die Reederei stellte statt Stewards auch Stewardessen ein.
Ob in der Pantry oder Servieren von Essen,
jederzeit konnten sie sich mit den Männern messen.
Toll diese Mädels, man glaubt es kaum,
das waren doch wirklich mal richtige Frau'n!

Aber auf einem Schiff, das dampft und segelt,
ist auch ein Chief, der die Technik regelt.
Er denkt scharf nach, dafür ist er der Mann,
wie er "sein Maschinchen" wohl entlasten kann.

Der erste Ing. die 0-4-Wache geht,
dafür sorgt, dass sich Maschine und Schraube dreht.
Er liebt sein Maschinchen, der Heimat so fern,
seine Welt liegt eben auf einem anderen Stern.

Verantwortlich für Kühler, Kompressoren und Pumpen
ist der zweite Ing., man sollte nicht unken.
Auch er ist äußerst wichtig, dass seht ihr doch ein,
man sollte wegen kleiner Maschinen nicht spöttisch sein.

Die Hilfsmotoren auf dem Dampfer man Jockel nennt,
jeder einzelne Mann auf dem Dampfer sie sehr gut kennt.
Der dritte Ing., wir haben's fast gewusst,
wartet und pflegt sie mit stolzgeschwellter Brust.

Der vierte Ing. frisch von der Schule mit Patent versehen
lernt erstmals bei den anderen "gehen".
Der Eifer ist groß, sonst wär's ja ein Ding,
auch er wird bald tragen einen breiten "Kolbenring".

Die Maschinenassistenten
- an Bord die wichtigsten Leute -
der Dampfer würde nicht laufen ohne diese "Meute".
Selbst wenn sie in der Koje liegen,
sie sind nicht zu betören,
jeden fremden Ton aus dem Maschinenraum sie hören!

Kurz vor Auslaufen mit Typ IV MS "Freundschaft" war's,
wir hatten noch keinen Doktor, uns ward's immer banger.
Aber endlich kam er dann, der Dr. med. Heinz Langer.
Er konnte nicht nur heilen und kurieren, er machte auch Wein,
aber dann kam ein Stürmchen - es sollte so sein.
Die Ballone rissen sich los und gingen "verloren",
das ganze Achterschiff roch nun nach Vergohrenem!
Der Käpt'n nach Achtern zur Kontrolle kam
- er roch wohl den Braten -
aber wir haben unseren Doktor niemals verraten!
"Prost", rief der "Alte" ärgerlich "möget ihr Rum?"
und dreht sich postwendend auf den Hacken um.
Erhobenen Hauptes er schritt in sein nautisches Reich,
fortan war achtern der Chief "unser Scheich".

Manche Dampfer hatten einen Purser mit,
der sollte Ahnung haben von Finanzen,
mit der DDR-Mark zum Einen,
mit Devisen im Ganzen!
Er teilte ein WBS, Bier und auch Wein,
das sollte von "oben" her eben so sein.
Zum Reiseende er uns die Rechnung machte,
die tat uns nicht munden,
penibel führte er auf, was jeder so getrunken!

Der Politoffizier konnte ab den '60ern walten,
war offizieller Vertreter vom "Alten".
Gewöhnlich aus der Besatzung er kam,
plötzlich an Bord dieses Amt übernahm.
Eventuell ohne Patent drei Kolbenringe am Ärmel tragen,
die Besatzung "traute" sich danach gar nicht zu fragen!
Ein Philosoph war er, von ernster Art.
Er strich sich aber öfter verlegen den Bart.
Vermutlich aus Bescheidenheit -
Nimm unseren Dank für dein Geleit!

Wer einmal ist zur See gefahren,
sich konnte erfüllen einen Traum,
nicht hing zu Hause bei Muttern am Saum,
der konnte mit Gleichgesinnten sehr viel erleben,
von der Seeleute Umgang, Art und Leben.
Viel Erlebtes, Eindrücke und Anekdoten gibt es zu wahren,
auch Bewährungssituationen in Gefahren.

Was gibt es Schöneres(?) als:
Seefahrt!!!!

Detlef Traue, Januar 2010


Der Seemann - Urlaub, Alltag und mehr

Zu Hause sein, das ist ja gut,
ein Telegramm kommt - nimm deinen Hut.
Mach dich nur schnell auf deine Socken,
was willst du nur bei Muttern hocken.
Sie gibt dir immer weise Lehren,
musst also auf die Mutti hören!
Die Kinder kommen, sie brauchen Geld,
was ist das nur für 'ne ländliche Welt.
Keiner bringt dir mal ein Bier,
also, was willst du weiter hier?
Und kommst du doch mal ran ans Bier,
droht gleich dir der Entzug vom Lustrevier!
Kartoffeln holen aus dem Keller,
von Tag zu Tag und immer schneller.
Zu Hause die Familie, sowie ein Klavier,
immer Krach - was willst du nur hier!
Die Landluft soll gut sein? Ich kann da nur prusten,
bei Hein Seemann verursacht sie nur Husten.
Ach, an Land, das ist 'ne schlechte Welt,
ich will mein Schiff - da brauch ich kein Geld!
Da kann ich meine Sachen flicken, wann immer ich will,
der Welt entkommen - hier ist es schön still!
Hier gibt es keine weiblichen Verbote,
hier raucht's nur aus des Dampfers Schlote!
Ich hör meine Musik - hier kann ich flöten,
mich können keine weiblichen Blicke töten!
In der Freizeit kann ich machen, was ich will,
da ist oft sogar der "Alte" still. (!)
Seine Weisheit in dem Satz beruht:
"Der Seemann ist einsam - aber hat's verdammt gut"!
Die große Liebe ist sein Schiff - seine Ladie,
sag das mal von 'ner landseitigen Daisy!
Urlaub ist schön - das Landleben ein Graus-
wie halten das bloß die "Landeier" aus?
Zu meinem Brotschiff will ich wieder hin,
nach dieser Welt steht mir der Sinn!
Da hör ich die Maschinen laufen,
oder auch den Sturmwind brausen.
Ein Landmensch legt da die Stirn in Falten,
für uns Lords gibt's dann erst recht kein Halten.
Unser Schiff läuft dann gegen Sturm, Wellen und Wind,
wir helfen ihm dabei - weil wir eben so sind!
Die weißen Jungs in der Kombüse,
sie zaubern irgend ein Gemüse,
Kartoffelwasser schwappt aus dem Topf mit Gezisch,
was wird das wohl für ein Kunstgemisch!
Auch um den Herd die Schlingerleisten nicht meiden,
sollen alle Töpfe auf dem Herde bleiben!
Pikantes werden wir trotz allem bekommen,
denn die Köche haben sich immer beizeiten besonnen!
Fachlich stark und voll Vertrauen,
die Decksgang durch die Schotten schauen,
ob nicht doch eine Woge an Deck
vom Festgelaschten holt was weg!
Nanu? Ein Schlag - das Schiff erzittert -
"Luft angehalten", aber "Ladie" hat's abgewettert.
Artig verneigt sie sich vor Rasmus nur,
aber auf altem Kurs geht's weiter stur!!!

Toll das "Weib", man glaubt es kaum,
verlang das mal von anderen Frau'n!!!

Funki in den Äther ruft, ohne zu fragen,
berichtet den anderen von schweren Sturmeslagen.
Stolz auf unser tolles Schiffchen -
es nahm den Sturm nur als "ein bisschen"!
Und der "Alte", der arme Kerl war sehr müd',
ihm fiel danach zu das Augenlid,
er kämpft noch - aber sehr, sehr schwach
dann folgt auch noch das andere nach.
Aber jetzt kommen wieder bessere Tage -
die Tropenhitze wird zur Plage!
Die Maschinenmenschen "unten" hocken,
Mann - das werden schweißtreibende Wochen!!!
55°C heiße, diesel-öligen Luft im Raum,
Abgase grau - man sieht sich kaum!
Assis kämpfen sich tapfer durch die Maschine,
vom Chef gibt's ab und an eine "Biene".
Mal 'ne Pause und dann hoch in die Tropensonne,
Mann - ist das für die "Kellerleute" 'ne Wonne!
Jetzt möchte man lieber ein Decksmann sein,
und gierig atmen sie den "Fahrtwind" ein!
Aber auch in großer Hitze, die Decksgang
beim Entrosten des Schiffs mächtig schwitze!
"Setzt einen Hut auf" - der Doktor belehrt -
vorsichtshalber wird auch der Rest aufgeklärt!
Knapp bekleidet kommt eine Stewardess übers Deck gelaufen,
keiner klopft Rost, - nur gucken tut der Haufen!
Bis aus der Brückennock ein kraftvoller Ruf erschallt,
der "Alte" ist's - "hier wird gemalt"!
Ha..., ein Maschinenmensch der's zufällig sah,
der seufzte tief und rief: "Ja - ja!"
Auf einem Dampfer gibt es schöne Zeiten
behaupten die Lords - aber ganz bescheiden.
Sie fahr'n mit ihrem Schiff, bei Nacht und bei Tage
nie hört man von ihnen auch nur eine Klage.
Sie pflegen und warten, halten sie instand und viel mehr,
das Schiff dankt's ihnen - mit sicherer Wiederkehr.
Es wird geweint, gefeiert und gelacht,
immer aber auch an die Heimat gedacht.

Sie fahr'n um den Erdball,
das Heimweh fährt mit
- das ist eben Seefahrt -
und eben auch ihr Glück!

Detlef Traue, Januar 2010


Erinnerungen und Hoffnungen
einer schönen Typ IV-Lady:

Traditionsschiff Typ "Frieden"
ex MS "Dresden" (DAVK)


(vgl. "Tradi")

Ich kenne alle Meere der Welt,
mich führten Menschen,
eigentlich für wenig Geld.
Sie taten es aus Liebe,
Überzeugung und vieles mehr,
ich dankte es ihnen mit sicherer Wiederkehr!

Nun bin ich schon 52 Jahre alt
- noch sehr rüstig - das lässt mich nicht kalt.
Freunde, Seeleute pflegen mich heute
- die Lords von damals -
noch immer 'ne tolle "Meute"!

Hört sie nur - wenn sie sich erinnern -
ausnahmslos ihre Herzen und Augen flimmern!

"Weißt du noch" -
beginnen die Erinnerungen der meisten Lords,
dann geht's über den Erdball in einem fort!

Ob Kolbenziehen in der Maschine,
ob Farbe waschen und pönen an Deck
in Gedanken sind sie dann alle
auf einmal "weg"!

Ich merk' es wie damals -
In einem fort,
die "alten" Lords fühlen sich noch immer
bei mir sehr wohl an Bord!!!

Man sollte glauben,
sie haben nie Abschied genommen,
sie werden wohl immer wieder
zu ihrer "alten Lady" kommen!

Auch auf meinen Decks
wurden Typ IV-Besatzungen zusammengeschweißt,
aus hartem Holz geschnitzt -
wie's so schön heißt!

Ob Hurrikan Alma - Taifun Gloria,
oder auch in der Tropenhitze
immer rissen meine Lords
die neuesten Witze.

Der größte Trubel aber
'66 vor Bombay/Indien entstand,
als ich dort drei meiner Schwestern
auf Reede vor Anker fand!!!

Von der "Freundschaft", "Erfurt" und
"Halle" die Typhone lautstark erschallen
dreimal lang -
in gewohnten, freudigen Intervallen.

Wir haben mit "Kurz" uns bedankt,
die Flagge gedippt,
unsere Besatzungen haben
darauf einen "genippt"!

Aber vorher - in bewährter Weise -
begann eine rege Barkassenreise.
Von Schiff zu Schiff, -
habt ihr noch WBS - wir haben Bier!

Dann tauschen auch wir,
wie sich's gehört für Lords in der Ferne!
Jeder tat es,
und das sehr gerne!

Wir vier Schwestern
gönnten es den Lords zu toasten,
brachten sie uns doch auf den Tag genau
bis in den fernen Osten!

Dann kam der große Tag -
man dachte wieder an den Heimathafen.
Schließlich wollte jeder
auch mal bei Muttern schlafen.

Die Decksgang "lockte" die Maschinisten,
holt was raus aus euren vier "Kisten"!
Für den Chief war das ein Graus:
"Die denken alle nur noch an zu Haus!"
"Die träumen wohl in ihren Kissen
nur noch von zu erlebenden Hochgenüssen!?"

Alle grinsen-

Der Alte hat's auch getan,
für ihn stand im Vordergrund der Plan!
"Heimatumdrehungen" gab's jede Wache in einem fort,
"Heimreisebeschleunigung" hat sicher jeder an Bord.

Nun brauch ich's nicht mehr,
das lässt mich kalt,
ich ruh mich in Rostock aus -
denn ich bin ja auch alt!

Meine Jungs sind mir geblieben,
sie lieben mich noch,
darauf bin ich stolz -
vom "Alten" bis zum "Koch"!

Auf ein herrliches Schiffsleben
Blick' ich zurück, voll und ganz.
Über gemeinsame Wünsche
schrieb auch der Gerhard Franz:

Als ein Museum Ende dreißig
noch längst nicht Schrott und auch nicht greisig.
Wie soll es mit mir nur weitergeh'n?
Wie wird die Bürgerschaft dazu steh'n?
Muss ich als Blumenkasten enden?
Wird sich das Blatt vielleicht doch noch wenden?

Ich brauche Freunde - wünscht mir Glück -
Zum Stadthafen nach Rostock will ich zurück!!!


Mit sicherer Fahrt danktest du unsere Wartung und Pflege,
unermüdlich hielten wir instand,
wir helfen auch auf diesem Wege!
Als treue Mitstreiter hast du uns gekannt.

Das bleibt weiter so, das versprechen wir.
Der Tag kommt und
der Liegeplatz an Rostocks Stadthafenpier.

Detlef Traue, Januar 2010


Eine gar grausige Moritat über die verhinderte Kultur einer Ras-Gharib Reise

Gewidmet den unerschrockenen Ras Gharib-Foxes

Kulturniveau auf See - oje

Auf jedem Schiff, das dampft und segelt,
ist selbst die Arbeitszeit geregelt,
doch in der Freizeit dann, oh, oh,
da geht es los mit dem Niveau.

Kommt ein Schiff im Hafen an,
fängt erst recht der Trubel an.
Bis da so alles klappt, oh Schreck,
da fährt der letzte Zug dir weg.

Kommst du nach Haus mit Bus, mit Tram,
kommt auch schon bald ein Telegramm.
Mach dich nur schnell auf deine Socken,
was willst du denn bei Mutter hocken?

Hör auf mit deinem Ach-Gejammer
schnell noch mal rein in Muttis Kammer,
dann geht es los mit neu'm Elan
im Vordergrund, da steht der Plan.

Kommt die Besatzung von Zuhaus',
geht's auch bald auf See hinaus.
Mitunter wird auch nichts daraus,
dann laufen wir erst später aus.

Verlässt ein Schiff den Heimathafen,
da will die Bande erst mal schlafen.
Sie träumen dann in ihren Kissen
von den erlebten Hochgenüssen.

Die ersten Tage sind ein Graus,
da denken alle an Zuhaus'.
Doch in der größten Tropenhitze
erzählt man sich die neu'sten Witze.

Und nun kommt die Kultur zu Wort,
denn davon gibt's genug an Bord.
Ist das Gebot'ne auch nicht neu
ein Seemann freut sich doch - ahoi.

An Bord da ist ein Filmgerät
wir freu'n uns immer, wenn es geht,
doch oftmals will der Kasten
vermutlich auch mal rasten.

Die ganze Truppe sitzt und lauscht,
ob nicht doch ein Tönchen rauscht.
Allmählich stinkt's uns jedoch an,
dann seh'n wir uns 'nen Stummfilm an.

Zwölf Filme gibt's pro Reise mit,
jedoch der größte Teil ist Kitt.
Wie sie im Sinn sich alle gleichen,
da würde auch die Hälfte reichen.

Da haben wir noch drei "Smaragd"
die sind nicht schlecht, wenn sie intakt.
Doch meistens sind die Dinger stumm
der Fachmann fragt sich bloß: Warum?

War so ein Ding zur Reparatur
da geht's noch schlechter als zuvor.
Am besten ist's, du lässt sie steh'n
es lohnt sich nicht daran zu dreh'n.

Ist das Kulturprogramm vorbei,
sind noch so viele Stunden frei.
Da kannst du noch das Skatblatt zinken,
eventuell auch einen trinken.

Kommst du mal an 'ne Buddel ran,
da geht auch gleich der Ofen an.
HIGH SPIRIT heißt dann die Devise
und später hast du runde Füße.

Am nächsten Tag nur so zum Spaß
hast du 'nen Schädel wie ein Fass,
doch abends geht es froh und heiter
mit den Prozenten hurtig weiter.

Schluss mit dem Fusel und geh schlafen,
wir haben bald den nächsten Hafen.
Mach dich schon immer frisch und fein,
in Assab warten schon die Mägdelein.

In Assab geht's, das ist doch klar,
im Eilschritt hin zur "Hamburg-Bar".
Doch da ist es in jedem Fall
vorbei mit Ethik und Moral.

In diesem öden Hafenstädtchen
Gibt's nichts zu sehn - nur schwarze Mädchen.
Für ein paar Dollar kannst du dann
vergnügt ans frische Fleisch heran.

Ras Gharib heißt nun unser Ziel -
der Stumpfsinn wird uns bald zuviel.
Ist das Schiff am Ölplatz fest,
da startet gleich ein Halbzeitfest.

Rund vierzig Tage werden noch gezählt,
bis dann der große Hammer fällt.
Und dann beginnt in gleicher Weise
von vorn die (ganze Sch......) nächste Reise.

via Detlef Traue, Januar 2010

Herzlichen Dank an Detlef für die Versesammlung!
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"Seemannsgedichte aus Mansfeld": Seeleute Rostock e.V., 2010

   

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  03.01.2016  
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