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SENFTE ins Nordmeer

Fotos und Worte von Rolf Beckert aus Chemnitz

Christbaum der SENFTENBERG

Die Fotos zeigen den weithin sichtbaren Weihnachtsschmuck der SENFTENBERG. Und richtig,
die ersten Typ-IX-Schiffe hatten eine 'Telefonzelle' (Ausguck) auf dem Vorschiff, hoch oben.
Die Fotos machte Rolf zu Weihnachten 1964, auf der Reise von Rostock nach Safi in Marokko. slr-bl12rb-196412-wbaum-1.jpg slr-bl12rb-196412-wbaum-2.jpg

Weihnachten an Bord

Vorn, hoch auf dem vorderen Mast, steht unser Weihnachtsbaum. Der Schiffselektriker hat ihn 'belichtelt'. Alle Schiffe setzen diese Weihnachtslichter. In jeder Messe steht ein Weihnachtsbaum. Nach Seemannstradition läuft am Heiligen Abend kein Schiff aus. Es geht vorher in See. Wir sind auf Seetörn nach Safi in Marokko.
Am Weihnachtsabend trifft sich die Besatzung in der Offiziersmesse zur gemeinsamen Feier. Glühwein, Freddys Seemannsweihnacht, etwas zum Naschen ... Bis zum Fest sammelte der Funker alle Weihnachtstelegramme von zu Hause. Jetzt liest er sie vor: "... Deine liebe Gabi", "... Deine Mutti", "... Deine Geschwister". Wer kein Zuhause hat oder vergessen wurde, bekommt vom Funker ein Telegramm außer der Reihe: "... Dich grüßen alle Klöppelmäd aus dem Erzgebirge ..."!
E Raacherkerzl wird a'gezünd. Ich hob mer salber e Raachermannl gedrachselt, an dar grußen Drehbank unten im Maschinenraum. Dos bringt e bissl Hamit of dos Schiff.

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"Christbaum SENFTENBERG": Seeleute Rostock e.V., 11/2009

 

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Winter in Murmansk

Seit zwei Tagen fahren wir mit der SENFTENBERG jenseits des nördlichen Polarkreises. Auf spiegelglatter See zieht unser Schiff durch die Polarnacht. Das Nordkap liegt hinter uns. Wir steuern die Kolabucht an, halten Kurs auf Murmansk.

In Murmansk ist es sehr kalt, so um minus 35 Grad. Der Hafen bleibt aber eisfrei. Ein Ausläufer des Golfstromes hält den Kolafjord offen. Wir liegen auf Innenreede und warten auf einen freien Liegeplatz. Unsere Pier ist die Schüttanlage für Apatit. 10 Tausend Tonnen Apatit werden unsere Ladung.

Morgens, wenn der Frost am stärksten ist, steigt der Nebel aus dem Wasser. Eine Sicht wird fast unmöglich. Tag und Nacht geben sich die Schiffe gegenseitig Signale und Zeichen, um ihre Standorte anzuzeigen und zu warnen. Hart und vor allem frostig ist es für die Matrosen, die Stunde um Stunde den Nebelgong oder die Schiffsglocke schlagen müssen. Und hören und schauen und riechen sollen.

An den stark unterkühlten Schiffsaufbauten, den Masten, Bäumen, Rohren, Antennen und am Tauwerk schlägt der Nebel als Rauhreif nieder. Als Eis. Fingerdicke Leinen werden armstark. Die Antennenanlage erscheint wie ein gewaltiges Rohrsystem, hoch in der Luft. Unser Schiff vereist langsam. Schnee verschüttet die Decks. Die hier vor Anker liegenden Schiffe gleichen gewaltigen Schneebällen.

Mittags erhellt sich der Himmel im Süden etwas. Gespenstisches rosa Dämmerlicht liegt über dem Fjord und dem Hafen. Nachts, wenn sich der Nebel verflüchtigt hat, bietet sich ein herrliches Bild des Polarhimmels. Die Sterne leuchten übergroß.

Nach längerer Reedeliegezeit werden wir endlich an die Ladepier geschleppt. Das Beladen mit Apatit geht schnell, in ein bis zwei Tagen ist das Schiff voll.

Beim Auslaufen gibt es wieder große Probleme wegen des Nebels. Die Sicht ist gleich Null. Wir können uns nur schrittweise vorarbeiten. Im offenen Fahrwasser, als wir die Kolabucht verlassen, verbessert sich die Sicht rasch und wir haben freie Fahrt. Auf Heimatkurs mit vollen Segeln. 
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"Winter in Murmansk": Seeleute Rostock e.V., 05/2009

 

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Motorenwärter warten...

... das Herz eines Motorschiffes mit all der dazugehörigen Peripherie.

Erinnerungen aus dem Maschinenraum der SENFTENBERG

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Der Einspritzbeginn

Der Dieselgenerator war fertig überholt. Nur noch die Düsen einsetzen und die Leitungen entlüften. Noch Probelauf und langsam belasten und Öldruck beobachten usw. Aber erst mal eine kleine Smoketime, die hatten wir uns jetzt echt verdient. Unser III. Ing. hatte zugeschaut beim Ermitteln und Einstellen des Einspritzbeginns.

Kaum hatten wir beiseite geschaut, wiederholte der III. Ing. unsere Messung. Nicht etwa, um uns zu kontrollieren, sondern aus Interesse. Aber das Unglück dauerte nur eine Sekunde.

Da gab es nämlich einen Trick, einen ganz einfachen. Aber sehr wichtigen. Den oberen Totpunkt des Kolbens ertasteten wir mit einer Messuhr. Der Fühler einer Messuhr ist aber zu kurz, um durch die Düsenbohrung hindurch bis zum Kolbenboden zu reichen. Da steckten wir einen Verlängerungsdorn dazwischen. Ganz, ganz wichtig ist dabei, dass der Kolben bereits ungefähr im oberen Totpunkt stehen muss. Sonst fällt der Dorn hinein.

Beim III. Ing. verschwand der Dorn in den Verbrennungsraum. Ei, zu spät. Pech gehabt. Da musste nun der Zylinderkopf doch noch einmal herunter, um an den Dorn heranzukommen.

Klar waren wir schadenfroh, aber keinesfalls gehässig.

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"Motorenwärter warten...": Seeleute Rostock e.V., März 2012

 

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Frische Fische

Mit der SENFTENBERG von Rostock nach Murmansk, 1965. Ein großer Fisch, von den Fischern in die Höhe gehalten, sollte heißen: Fisch gegen Schnaps. Schon aus der Ferne ist an der Gestik der Fischer zu erkennen, dass sie etwas zu verkaufen, besser gesagt zu tauschen haben.
Ihr Fischkutter ist noch gut eine Seemeile voraus. Das entspricht etwa fünf Minuten Fahrt für unser Schiff. Jetzt muss schnell geklärt werden, wollen wir tauschen, dürfen wir, brauchen wir Fisch, haben wir Schnaps …
Die Entscheidung ist gefallen, mit dem Typhon signalisieren wir unser "Kaufinteresse". Entsprechend Kurs, Wind, Geschwindigkeit und Zeichengabe des Fischerbootes wird das "Übergabemanöver" eingeleitet. Um unser großes Schiff nicht bis Null abzubremsen, fährt der Kutter in der Endphase neben uns her.
Wir haben ein wesentlich höheres Freibord als die Fischer, deshalb geht die Wurfleine von uns zu ihnen hinüber. Die Verbindung steht. Sie binden einen Beutel mit Fischen an unsere Wurfleine und geben das Ok zum Ziehen. Angeknüpft an unsere Leine ist die ihre, damit die Verbindung erhalten bleibt. Als Antwort, als Bezahlung, legen wir eine Flasche Schnaps in den Beutel. Und ab! Die Fischer füllen erneut Fische in den Beutel. Jetzt ziehen wir. Dies könnte stundenlang so weitergehen. Wer beenden will, löst einfach seine Leine.

Unser Koch stellt den Speiseplan um. Es gibt "Frische Fische"!

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"Frische Fische": Seeleute Rostock e.V., Juli 2016

 

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Sommer in Murmansk

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Es war in Murmansk nicht nur kalt.

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"Sommer in Murmansk": Seeleute Rostock e.V., Juli 2016

 

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Hantel-Stemmen auf der SENFTENBERG

Wir hatten einige Sport- und Spielgeräte an Bord, etwa Bälle, Tischtennis, Luftgewehre und Boxhandschuhe und ein Akkordeon. Natürlich auch Bücher und Kartenspiele. Aber keine Hantel.

Kein Problem, da kann der Storekeeper helfen. Ein Rohr. Rechts und links einige Flansche aufgeschoben. Ein paar Heft-Schweißpunkte gesetzt. Schwarze Farbe drauf. Fertig ist die Hantel. Also ehrlich, meine Leute waren begeistert!

Trotzdem, vom Ersten Ing., meinem Vorgesetzten, gab es einen kleinen Rüffel: "Die Flansche sind Ersatzteile, und nun diese Hantel … was soll das?" Aber diese Flansche waren doch nicht verloren, sie waren nur aufgefädelt und schnell wieder lösbar.
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"Hantel-Stemmen ...": Seeleute Rostock e.V., Juli 2016

 

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Herzlichen Dank an Rolf für seine
Beiträge mit den herrlichen Fotos!

"SENFTE ins Nordmeer": Seeleute Rostock e.V., 2009 - 2016

   

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  23.07.2016  
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