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ROS-223 "Gera"

Typ III (Serie "Brandenburg")
Der letzte deutsche Seitentrawler

Bis 1990: Fiko Rostock | Heimathafen: Rostock
Seit 1990: Historisches Museum Bremerhaven

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ROS-223 "Gera" - erhaltener Seitentrawler der Serie "Brandenburg" (Typ III) in Bremerhaven
Foto: Kpt. Norbert Schmidt, Písek, 2010
 
Der Seitentrawler "Gera" mit der Fischereikennung ROS-223 aus der lediglich fünf Einheiten umfassenden Serie "Brandenburg" (Typ III) wurde am 14.10.1961 vom Fiko Rostock (VEB Fischkombinat Rostock) in Dienst gestellt.
Im Juni 1990 wurde der Seitentrawler von der Stadt Bremerhaven vor der Verschrottung bewahrt und dorthin überführt, um ihn als Museumsschiff einzurichten. Im Fischereihafen Eins am Fischkai liegend vermittelt die "Gera" einen wahren Einblick in die harte Arbeitswelt der Hochseefischerei.
Die Schiffe dieser Serie waren die letzten Fischereifahrzeuge für die DDR mit Seitenfangtechnik und eine Weiterentwicklung der Seitentrawlertypen I und II. Sie befanden sich 1981 noch sämtlich als Zubringertrawler für die Fang- und Verarbeitungsschiffe im Einsatz. Die Fangplätze lagen vorwiegend im Nordatlantik (Grönland, Labrador, Neufundland). Die maximale Jahresfangleistung betrug 3.596 t (1966).
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Seitentrawler Typ III in der Seitenansicht
Grafik/Quelle: Günter Dame/(2) | Repro/Montage: ABa, Hamburg
Technische Daten: Volldecker
Schiffstyp Seitentrawler Typ III
Bauwerft VEB Peene-Werft Wolgast
Baujahr 1961
Objekt-Nummer 83
Klassifizierung    A I (Eis) Fischerei
Besatzung 29 Personen
Länge über alles 65,50 m
Länge zwischen den Loten   60,04 m
Breite auf Spanten 10,32 m
Seitenhöhe bis Hauptdeck   5,70 m
Tiefgang auf halber Länge   4,64 m
Aktionsdauer, maximal 100 Tage
Tragfähigkeit    466 t
Verdrängung 1.473 t
Vermessung 938 BRT / 290 NRT
Fischraumvolumen 458 m³
Hauptmaschine(n) siehe unten im Text
Antriebsleistung 1.045 kW (1.420 PS)
Höchstgeschwindigkeit 13,2 kn
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Die fünf Schiffe dieser Serie:
Schiffsname Kennung Obj.-Nr. Rufzeichen I.D. A.D. Verbleib (an)
BRANDENBURG ROS-221 81 DHXU 01.12.1960 17.11.1981 Abbruch
BITTERFELD ROS-222 82 DHXW 04.08.1961 01.01.1983 Abbruch
GERA ROS-223 83 DHXY 14.10.1961 15.06.1990 HM Bremerhaven
GÖRLITZ ROS-224 84 DHXV 01.11.1961 15.01.1981 Abbruch
COTTBUS ROS-225 85 DHXZ 09.11.1961 28.01.1982 Abbruch
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ROS-223 "Gera" in Bremerhaven
Foto: Kpt. Norbert Schmidt, Písek, 2010
Es waren Eindeckschiffe mit Back und Poop, deren Schiffskörper durch sechs Querschotte unterteilt waren in Vorpiek, Netzraum, Laderäume I und II, Verarbeitungs- und Fischkuchenraum, Maschinenraum, Wohn- und Provianträume, Achterpiek.
Die Fischereinetzwinde hatte eine Zugkraft von 108 kN bei einer Seilgeschwindigkeit von 55 m/min. Sie war mit zwei Kurrleinentrommeln für je 1.800 m 26-mm-Stahlseil und vier Spillköpfen ausgerüstet. An der StB-Seite befanden sich zwei Fischgalgen. Die Steerte wurden mit dem am Fockmast befestigten 1,5-t-Steertbaum und einem 1,5-t-Rollerbaum an Bord gehievt. Der Fang gelangte durch Luken entweder in die Laderäume, wo er in Eis gelagert wurde, oder zur Fischmehlanlage. Außerdem waren eine Leberölgewinnungsanlage (zwei Apparate mit 600 bzw. 300 kg Füllung) und in der Back eine Leberkonservierungsanlage für 250 kg/24 h vorhanden. Eine automatisch arbeitende R 12-Kälteanlage führte die in die Fischräume einstrahlende Wärme ab. Die Nutzladung auf der Heimreise betrug 303 t.
Die Vater-und-Sohn-Antriebsanlage bestand aus einem 677-kW-Viertakt-Dieselmotor des Typs 8NVD55 (920 PS) und einem 368-kW-Viertakt-Dieselmotor des Typs 6NVD444 (500 PS), der auch zum Antrieb des 250-kW-Netzwindengenerators diente. Beide Motoren stammten vom VEB Görlitzer Maschinenbau und arbeiteten über ein Stirnradgetriebe mit Strömungskupplungen auf die Schraubenwelle. Ferner waren ein 200-kW- und ein 98-kW-Dieselgeneratoraggregat eingebaut.
Die Besatzung war in Ein- und Zwei-Bett-Kammern untergebracht.
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Blick auf das Hauptdeck der ROS-223 "Gera" in Bremerhaven
Foto: Kpt. Norbert Schmidt, Písek, 2010
Besonderheiten:
  • Einzige Serie von Fischereischiffen für die DDR aus der Peene-Werft in Wolgast!
  • Die Trawler vom Typ III waren die ersten in der DDR, auf denen die hochwertiges Eiweiß enthaltenden Beifänge und Fischabfälle sofort zu Fischmehl verarbeitet werden konnten, welches in der Landwirtschaft gern verwendet wurde.
  • Seit dem Typ II boten die Back und das höher gezogene sowie leicht überdachte Schanzkleid auf der Backbordseite mehr Schutz vor überkommender See in den Fanggebieten, wo meist schlechtes Wetter vorherrschte.
  • Diese "Gera" war bis 1990 schon zu DDR-Zeiten ein besonderes Fischereischiff, da die anderen vier Seitentrawler vom Typ III bereits bis spätestens 1983 abgestoßen worden waren.
  • Das Schiff ist heute der letzte in Deutschland erhalten gebliebene Seitenfänger.
Havarien/Schiffsverluste:
  • Unbekannt/keine
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Fotos:
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ROS-223 "Gera" in Bremerhaven
Fotos: Kpt. Norbert Schmidt, Písek, 2010
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Zum Verbleib des Schiffs:

1961 ROS-223 GERA, Fiko Rostock / 1990 ROS-223 GERA, Historisches Museum Bremerhaven

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Quellen: (1) "Jahrbuch der Schiffahrt", "transpress" Verlag für Verkehrswesen, Berlin, 1962
(2) "Vom Kutter zum Containerschiff", Neumann/Strobel, Verlag Technik, Berlin, 1981
(3) www.rostocker-hochseefischerei.de/schiffe/trawler/trawler_typ3 fremdlink.gif
(4) de.wikipedia.org/wiki/Gera_(Schiff,_1961) fremdlink.gif
Abbildungen: Herkunft oben jeweils angegeben
Herzlichen Dank allen Beteiligten für die freundliche Unterstützung!

'ROS-223 "Gera"': Seeleute Rostock e.V., Oktober 2010

   

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  06.07.2017  
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